Es gibt Orte, die werden stark beworben und sind komplett touristisch, völlig überfüllt und dann extrem nervig. Und es gibt Orte, die sind sehr touristisch – aber trotzdem sehr cool…
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Intro und Reisebericht
Carcassonne ist so ein Ort. Die Stadt liegt in Südfrankreich. Genauer gesagt, nahe den Pyrenäen und nicht weit vom Mittelmeer entfernt.

Hier bilden die Ausläufer der Pyrenäen Hügelketten und auf einem solchen Hügel steht das mittelalterliche Carcassonne.
Anders, als bei anderen Städten wuchs die moderne Stadt nicht um einen mittelalterlichen Kern herum, sondern sie entstand direkt daneben. Und das auch schon vor längerer Zeit.

Die ursprüngliche mittelalterliche Stadt Carcassonne steht somit nahezu frei und ist immer noch komplett von hohen Mauern umgeben. Eine ungewöhnlich hohe Zahl an Türmen schmücken die Mauern der Stadt und geben ihr schon von weitem ein majestätisches Aussehen.

Die Cité de Carcassonne (Altstadt) wird übrigens von einem doppelten Mauerring umgeben und ist in ihrer Form und Gestalt weltweit einzigartig. Sie gehört zum Weltkulturerbe und ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Südfrankreichs.
Diese Region war schon immer eine umkämpfte Grenzregion. Sie gehörte zu den Römern, Katharern, Sarazenen, Spaniern und schließlich Franzosen.

Die befestigte Stadt Carcassonne wurde mehrfach belagert und wechselte mehrfach den Besitzer. Obwohl die Unterstadt zwischendurch in Flammen aufging, blieben die massiven Mauern Gebäude aus Stein weitgehend intakt.
Im inneren der Mauern lebten einst etwa 3000-4000 Menschen. Heute würden wir das als Dorf bezeichnen, doch im Mittelalter war das eine wichtige Stadt.

Wir haben das Glück unser Wohnmobil für zwei Nächte an einem schönen Campingplatz ganz in der Nähe abstellen zu können.
An einem Bach entlang spazieren wir im Schatten der Bäume zur Cité de Carcassonne, die wir schon von weitem sehen konnten.

Wir erreichen die Stadt von ihrer Rückseite. Ein kleiner Pfad führt uns den Burgberg hinauf und über eine lange Rampe geht es durch das äußere und innere Tor in die Stadt.
Der Blick über die Umgebung ist schon jetzt beeindruckend. Weinberge zieren die Hügel auf der einen Seite und die neue Stadt erhebt sich auf der anderen.

Im Inneren der Mauern gibt es praktisch keinen Autoverkehr, nur Anwohner und Geschäfte dürfen hier ein- oder ausladen und das passiert vermutlich nur am frühen Morgen oder späten Abend.
Das ist auch gut so, denn die schmalen Gassen sind mit Besuchern schon gut gefüllt, Autos wären hier völlig fehl am Platz.

Es ist noch relativ früh am Morgen und die kleine Stadt ist schon lebendig, aber noch nicht übermäßig voll. Im Laufe des Tages wird sie sie noch weiter füllen.
Die meisten halten mit Autos oder Bussen auf der anderen Seite auf dem Parkplatz und kommen, anders als wir, durch das große vordere Tor – den Vordereingang.

Zum Glück sind wir jetzt im Herbst hier, ich möchte gar nicht wissen, was hier im Sommer alles los ist!
Der Eintritt in die Stadt ist kostenlos. Aber einmal drinnen, findest du jede Menge Geschäfte und Restaurants, wo du dein Geld ausgeben kannst.

Ja, der Ort ist sehr touristisch, aber trotzdem super schön. Es macht viel Spaß die Stadtmauer entlangzuwandern (man kann auch auf die Mauer) und durch die kleinen Gassen zu schlendern.
Viele der alten Fassaden sind sehr hübsch, teilweise farbig getüncht und teilweise auch mit Wein bewachsen. Kein Wunder, die Gegend ist eine Weingegend.

Wir erkunden die kleine Stadt in alle Richtungen und ich schaue mir auch die schöne Basilique Saint-Nazaire näher an.
Innerhalb der Mauern gibt es nochmal eine separate Burg, das Chateau Comtal. Hier lebten und herrschten die Grafen der Region. Über eine schmal Brücke und ein Tor gelangt man aus der Stadt in die Burg.

Nähere Informationen zur Stadt und zur Burg findest du übrigens hier: https://www.tourisme-carcassonne.fr/.
Inzwischen steht die herbstliche Sonne warm und hoch über Südfrankreich und wir suchen uns eine der vielen schattigen Restaurantterrassen aus, für ein spätes, aber kräftiges Mittagessen.

Die Küche in der Region ist deftig, mit viel Fleisch und Wurst. Eine Spezialität, die es hier an jeder Ecke gibt, ist Cassoulet, ein Eintopf aus weißen Bohnen mit Entenkeulen, Wurst und Schweinefleisch mit Speck, gewürzt mit Knoblauch, Thymian und weiteren Kräutern der Region.

Eine erstaunliche Mischung, die es auch in leichteren Varianten gibt. Ich versuche das Original und kann mich anschließend kaum noch rühren – eine weniger deftige Variante hätte wohl auch gereicht um satt zu werden.
Wir verbringen noch ein bisschen Zeit in der mittelalterlichen Stadt und spazieren dann wieder zur Hintertür hinaus und an unserem schattigen Bach entlang zum Campingplatz zurück.

Hilfreiche Links für die Reiseplanung
Kommen bald…

Fazit
Wir erleben immer wieder, dass touristisch stark umworbene Orte, die auf jeder KI-generierten Muss-man-sehen-Liste zu finden sind, uns eigentlich nerven.
Zu viele Busse, zu viele Menschen, zu laut und am Ende nur eine finanzielle Abzocke. Viel schöner finden wir meist kleinere Orte, die weniger beworben und weniger besucht, aber oft genauso schön, oder sogar schöner als die bekannten „Top-10-Orte“.
Carcassonne ist da eine Ausnahme. Es erscheint mit Sicherheit auf jeder Top-10-Liste für Südwest-Frankreich, hat uns aber gar nicht genervt, sondern super gut gefallen.

Das liegt auch daran, dass es in der alten Stadt praktisch keinen Autoverkehr gibt. Und es liegt sicher daran, dass wir die Stadt im Herbst angeschaut haben, wo es über den Tag schon relativ voll wurde, aber nicht überfüllt (gehe nicht im Sommer…).
Und natürlich liegt es auch daran, dass die doppelte Stadtmauer mit ihren vielen Türmen, der Basilika und der Burg eine absolute Augenweide ist.

Das Bummeln und Entdecken in den kleinen alten Gassen macht sehr viel Spaß und die Landschaften der Region sind auch vielfältig und schön.
Und haben mich die vielen Shops und Restaurants anfänglich etwas abgeschreckt, waren wir dann doch froh, dass es überall reichlich essen für alle gibt, ohne irgendwo anstehen zu müssen :-).
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Kommen bald…
Bildnachweis Titelbild: Blick auf das mittelalterliche Carcassonne (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)