Die Region besticht durch ihre Gegensätzlichkeiten: Zwischen Nord und Süd, Schwere und Leichtigkeit, See und Land, Wildheit und Schönheit. Und sie ist dabei unglaublich attraktiv – die Bretagne…
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Intro und Reisebericht
Raue Natur und mildes Klima. Felsen, Klippen und Dolmen, Fischerdörfer, Urbausorte und goldene Sonnenuntergängen an weißen Stränden.
Alte Fischerboote, moderne Yachten, kleine Häfen, mondäne Seebäder, rosa Klippen und ruhige Buchten, deftiges Essen und leichter Wein.

Kontrastreich, oder auch gegensätzlich. So habe ich die Bretagne empfunden. Sie ist ständig anders und immer wieder interessant.
Unser Wohnmobil rollt über bewaldete Hügel, rauf und runter. Dann geht die Fahrt in langen Kurven bergab und wir folgen einer Flussmündung. Das Meer glitzert im Hintergrund. In der Mündung schaukeln zahlreiche Boote an ihren Ankerbojen.

Weiße Boote und blaues Wasser auf der einen Seite, grüner Kiefernwald auf der anderen. Wir folgen dem Fluss gegen den Strom für eine Weile und überqueren ihn dann über eine hohe Brücke.
Auf der anderen Seite folgen dem Fluss wieder mit dem Strom, bis wir wieder das Meer vor uns sehen. Die Flussmündung tut sich vor uns auf und erweitert sich zu einer großen Bucht. Auch die felsigen Wände, die den Fluss begleiteten weichen und vor uns sehen wir gelblich-weisse Sandstrände auftauchen.

Wie geschaffen für den Badeort, der ebenfalls vor uns auftaucht. Früher war das hier wohl ein kleiner Fischereihafen, heute gibt es mehrere Yachthäfen hier. Ich habe noch nie so viele Motorboote udn Segelyachten auf einmal gesehen, wie in der Bretagne.
Gefühlt hat hier jede Familie mindestens ein Boot. Aber wahrscheinlich gibt es hier so viele Boote, weil es auch viele Ferienwohnungen gibt.

Viele der „Einwohner“ sind wahrscheinlich französische Familien aus größeren Städten aus dem Inland, die hier, in der Bretagne, ihre Wochenenden und Ferien verbringen. Die Franzosen machen gerne Urlaub im eigenen Land und wir hören kaum mal eine andere Sprache um uns herum.
Es ist Herbst und das Wetter ist überwiegend warm und sonnig. Die Menschen genießen ihre Zeit auf der langgezogenen Strandpromenade und auf den Terrassen der Restaurants.

Im Yachthafen sieht man gelassene Geschäftigkeit und am Strand viele Gäste, die in der Sonne relaxen oder im Meer baden. Das sonnige Wetter macht träge und verlangsamt unsere Bewegungen ganz automatisch. So geht es wohl auch anderen, denn die Zeit scheint hier langsamer, gemütlicher zu verstreichen.
Wir sehen viele schöne alte kleine Villen, wunderbar restaurierte Häuser im Fachwerk-Stil, ähnlich dem, den wir schon in der Normandie gesehen haben.

Aber es gibt auch moderne Badeorte mit mehrstöckigen modernen Gebäuden und vielen Ferienapartments. Insgesamt sehen alle Orte sehr gut und sehr gepflegt aus. Hier ist offenbar Geld in der Region vorhanden. Oder vielmehr: Die Hier wird investiert.
Ein paar Kilometer weiter ändert sich die Landschaft komplett: Kein Wald, dafür kleine Felder und Weiden, unterbrochen von Streifen und Flächen an Heidelandschaft.

Immer wieder sehen wir große rundliche Felsbrocken in der Landschaft und am Straßenrand. Auch direkt am Wasser setzt sich der Eindruck fort: Dicke runde Felsbrocken und weißer Sandstrand im Wechsel. Im Sonnenuntergang werden die Felsen zu Silhouetten vor dem orangeroten Himmel und wirken fast mystisch.
Vielleicht waren es diese Eindrücke, die die Druiden vor tausenden von Jahren inspiriert haben Kultstätten zu schaffen in denen lange Reihen von Dolmen aufgerichtet wurden? Solche findet man in hoher Zahl in der Region von Carnac – und sie sind absolut sehenswert!

Es gibt sie aber tatsächlich fast überall in der Bretagne, außerdem Steingräber, Altare und Portal-Dolmen. Solche Megalith-Kulturen gab es vor etwa 4000-5000 Jahren an vielen Orten in Europa, auch in Irland und auf den britischen Inseln. Aber hier, in der Bretagne treten sie extrem gehäuft auf.

Übrigens befinden wir uns im Land der Comic-Gallier Asterix und Obelix, die hier in der Region Armorica in der heutigen Bretagne lebten, Römer verprügelten, Feste feierten und zum Fischen aufs Meer hinausfuhren. Ach ja, und Obelix hat ständig Hinkelsteine angefertigt und durch die Gegend getragen.

Tatsächlich war hier eine der letzten Bastionen der keltischen Gallier, vor ihrer endgültigen Unterwerfung durch die Römer. Die Römer siedelten in der Region und brachten den Wein-Anbau in die Gegend. Auch die Überrest von Thermen und anderen Bauwerken der Gallo-Römischen Kultur sind hier noch zu finden.

Befestigte Städte mit Bauten aus Stein wurden allerdings erst im Mittelalter gebaut. So zum Beispiel die Stadt Concarneau. Der mittelalterliche Stadtkern ist noch heute von massiven Mauern umgeben. Sie liegt auf einer kleinen Insel mit schmalen Zugängen direkt im Hafen. Ihre massiven Türme boten dem Hafen gleichzeitig Schutz, wie auch das umgebende Wasser die Stadt beschützte.

Die Bretagne ist eine riesige Halbinsel mit einer langen und zerklüfteten Küste. Durch ihre vielen Buchten bot die Bretagne schon immer geschützte Liegeplätze für Boote und Schiffe. Und so spielten Fischerei, Seehandel und auch die Kriegsmarine schon immer eine große Rolle in der Region.
Besonders in neuerer Zeit, denn da wurde der Hafen der größeren Stadt Brest stark ausgebaut und ist heute einer der größten Häfen an der französischen Atlantikküste. Er beherbergt die französische Atlantikflotte (Kriegsmarine) und ist auch ein wichtiger Handelsstützpunkt.

Aber wer weitere größere Städte in der Region sucht, wird sich eher schwer tun, denn die Bretagne hat sich trotz des Tourismus einen ländlichen Charakter mit kleinen Orten und kleineren Städten erhalten können.
Uns freut das sehr, denn die abwechslungsreichen Landschaften, kleinen Orte und Städtchen sind wirklich schön und machen das herumfahren und erkunden sehr spannend.

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Fazit
Uns hat die Bretagne unglaublich gut gefallen! Abwechslungsreiche, wilde und liebliche Landschaften, kleine alte Fischer- und Hafenorte, schöne Badeorte, historische Sehenswürdigkeiten, traumhafte Küsten und unglaublich viele Boote.
Es macht unglaublich viel Spaß hier herum-zu-cruisen und zu entdecken. Leider hatten wir gar genug Zeit um die Bretagne wirklich intensiv und im Detail zu erkunden.

Darum haben wir beschlossen im Frühjahr gleich nochmal in die Bretagne zu fahren um sie uns noch näher anzuschauen! Dieser Artikel war also nur ein „Teaser“ – es wird noch weitere geben!
Ein Wort noch zur besten Reisezeit: Die Bretagne ist eindeutig touristisch erschlossen. Zwar kein Massentourismus, aber es gibt viele Orte, die sehr touristisch ausgelegt sind. Das ist einerseits gut, weil es viele Ferienwohnungen, Hotels oder Campingplätze gibt, aber es kann mancherorts auch mal etwas voller werden.

Im Sommer, während der Schulferien wird es ganz bestimmt voll in der Bretagne. Wer es lieber etwas ruhiger mag, so wie wir, der besucht die schöne Halbinsel im äußersten Westen Frankreichs lieber im Frühjahr oder im Herbst.
Viel Spaß dabei!

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Bildnachweis Titelbild: Sonnenuntergang in der Bretagne (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)