Glenveagh Castle: Ein Traum im Nirgendwo…

In einem fernen Land, hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen – das erinnert eher an das Märchen von Schneewittchen, als an eine Reise in Irland. Aber so ähnlich fühlt sich eine Fahrt zum Glenveagh Castle auch an…

Rosengarten
Rosengarten (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Intro und Reisebericht

Weiter weg geht kaum in Irland. Donegal ist „das vergessene County“, denn es ist am weitesten von Dublin entfernt und wurde dort lange ignoriert. Die Grafschaft liegt im äußersten Nordwesten Irland, in direkter Nachbarschaft zur Republik Nordirland, die den nordöstlichen Teil der Insel ausmacht.

Berge im Glenveagh National Park
Berge im Glenveagh National Park (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Mitten im County Donegal liegen der Glenveagh National Park, ein Bergmassiv, das sich hoch über die flacheren Küsten erhebt. Der gälisch-irische Name ist übrigens Gleann Beatha, das Tal des Lebens oder Gleann Bheithe, das Tal der Birke.

In Skandinavien ist die Birke der Baum des Lebens (soweit ich weiss), hier also auch? Das Tal der Birke jedenfalls durchschneidet die sehr baumlosen grünen Berge und beherbergt einen lang gestreckten See, den Lough Beagh, oder Lough Veagh, wie er früher hieß.

Zinnen von Glenveagh Castle
Zinnen von Glenveagh Castle (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)



An seinen Ufern wachsen tatsächlich einige Bäume und kleine Wäldchen, ansonsten fühlt man sich eher an die schottischen Highlands erinnert: Grüne Berghänge, Felsige Brocken und Wände, Hochmoor an einigen Stellen. Eine wilde Landschaft inmitten einer wenig besiedelten Berglandschaft.

Die grünen Hänge bieten Futter für einige Schafe und Rothirsche. In dieser Region gibt es wohl eine Menge davon. Leider haben wir bei unserem Besuch keine gesehen.

Blick über Lough Beagh in den Glenveagh NP
Blick über Lough Beagh in den Glenveagh NP (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Wanderer haben wir allerdings viele gesehen. Die Region ist dafür bekannt und bei der Nationalpark-Verwaltung am Eingang zum Tal findet man viele Informationen zum Park.

Das Tal ist übrigens eine Sackgasse. Wer dort hinein will, muss sein Auto, oder in unserem Fall Wohnmobil, am Eingang abstellen und ein paar Kilometer zum Castle laufen, immer am See entlang. Man kann alternativ auch ein Fahrrad mitbringen oder mieten oder einen der kleinen Shuttle-Busse nehmen.

Blick am Ufer
Blick am Ufer (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Die Fahrt ist im Eintritt enthalten und da wir heute noch ein Stück weiter fahren müssen, entscheiden wir uns für die „faule“ Variante. Der Wetterbericht könnte für die Entscheidung auch eine Rolle gespielt haben, denn es soll bald leichter Regen einsetzen.

Der kleine Bus jagt in atemberaubender Geschwindigkeit auf der schmalen, einspurigen Straße in Richtung Castle. Im letzten Moment bremst er um einen entgegenkommenden Bus vorbeizulassen.

Spazierweg im Wald
Spazierweg im Wald (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Die Ausweichstelle ist kaum breiter als die Straße, aber irgendwie kommen die beiden Kleinbusse aneinander vorbei…Das wiederholt sich mehrmals. Während der rasanten Fahrt sehe ich den See an uns vorbeiziehen. Schafe am Ufer, Berge im Hintergrund – ich liebe diese Landschaften !

Ein Wald taucht vor uns auf und der Bus bremst ein letztes Mal: Wir sind da! Ein schottisch anmutendes Schloss liegt direkt vor mir. Majestätisch thront es über dem Seeufer, flankiert von einer hohen Mauer.

Mauer und Turm
Mauer und Turm (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Doch es stammt keineswegs aus dem Mittelalter, denn eigentlich ist es ein großes Landhaus mit Zinnen. Es wurde ab 1870 von Captain John George Adair im Scottish Baronial Style hier errichtet. Das Anwesen umfasst über 160 Quadratkilometer und dazu gehören mehrere Hügel, Täler, Seen und Wälder.

Das land dafür hat Adair nach und nach erworben und zusammengeführt um dieses grosse Anwesen zu schaffen. Sein Traum: Er wollte Balmoral, den schottischen Rückzugsort des englischen Königshauses übertreffen!

Gärtner-Haus?
Gärtner-Haus? (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Das gelang ihm nach meiner bescheidenen Meinung vielleicht nicht ganz, aber sein Lebenswerk ist dennoch beachtlich!

Damit erklärt sich übrigens auch der wunderbare Zustand des Castles, denn es ist noch gar nicht sehr alt und wurde auch nie belagert oder zerstört.

Eingang zum Castle
Eingang zum Castle (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Allerdings hat sich Captain Adair bei der Verwirklichung seines Traums keinen guten Ruf in Irland gemacht, denn nach dem Vorbild der schottischen Highland-Clearances vertrieb er seine Pächter von ihrem Pachtland um es selbst zu verwalten.

Die Menschen zogen nach Letterkenny ins Armenhaus oder wanderten nach Amerika und nach Australien aus. Das war gängige Praxis und bittere Realität im 19. Jahrhundert in Irland.

Im Garten
Im Garten (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


1885 verstarb Captain Adair. Seine Witwe Cornelia blieb in dem prächtigen Anwesen, behandelte die Menschen wohl sehr viel fairer und rücksichtsvoller und baute die Gärten des Castles zu ihrer heutige Pracht aus.

Und was für eine Pracht das ist: Ich spaziere mindestens zwei Stunden lang durch die weitläufigen Parkanlagen, wandere am Seeufer entlang und entdecke die verschiedenen Gärten einen nach dem anderen.

Am Glashaus
Am Glashaus (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)



Hier gibt es alles: Heimische Pflanzen, Kräuter, Blühende Pracht aller Art, wunderbaren alten Baumbestand und einen Rosengarten.

Ein schönes Glashaus beherbergt Orchideen und andere Exoten, die das Wetter draussen wohl nicht immer mögen würden.

Orchideen im Glashaus von Glenveagh Castle
Orchideen im Glashaus von Glenveagh Castle (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Inzwischen hat ein feiner Nieselregen eingesetzt. Der Wind hat etwas zugenommen und Wellen plätschern ans Ufer des Sees. Die Berge werden in eine diesige hellgraue Wolkendecke gehüllt und das fahle Licht scheint das Grün der Berghänge nochmal zu verstärken.

Statue im Park
Statue im Park (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Mit dem Regen kommen auch die Midges, lästige kleine Griebelmücken, oder eigentlich kleine Beissfliegen, aus den Büschen. Midges sind eine lästige Plage in den schottischen Highlands in den Sommermonaten.

Hier in Irland sind sie kein großes Thema. Aber an stehenden Gewässern können sie auch in hier mal vorkommen und ein bisschen nerven.

In den Gärten unterwegs
In den Gärten unterwegs (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Aber das macht nichts, denn die Füße sind platt und der Magen knurrt. Beste Voraussetzungen für die Rückfahrt, die genauso rasant vonstatten geht wie die Hinfahrt.

Am Besucherzentrum bekommen wir ein schönes Mittagessen und dann geht es wieder mit dem Wohnmobil auf die kleinen und gewundenen Bergstraßen, immer nach Norden, der Küste zu.

Blick über Lough Beagh in den Glenveagh NP (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)




Hilfreiche Links für deine Reiseplanung

Hier habe ich noch ein paar sehr schöne Tipps für dich, wenn du dich weiter zu Irland oder Nordirland einlesen möchtest, oder auch nach einer entsprechenden Geschenk-Idee für Freunde oder Verwandte suchst. Dies sind Empfehlungs-Links für Produkte bei Amazon – siehe auch Transparenz.


Roadtrips Irland: Unvergessliche Traumrouten für den perfekten Urlaub mit Auto, Camper und Motorrad.

Unterwegs in Irland: Das Große Reisebuch (Kunth unterwegs).

Wanderlust Großbritannien & Irland: Unterwegs auf den Britischen Inseln

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Mit dem Kühlschrank durch Irland: Witziger Roman nach einer wahren Geschichte.


Vielen Dank für deine Unterstützung dieses kleinen Reiseblogs – und viel Spaß beim Lesen!

Blick vom Mauerturm aufs Castle
Blick vom Mauerturm aufs Castle (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)



Fazit

Ich war früher schonmal in den Bergen Donegals unterwegs, mit dem Motorrad. Die Landschaften sind einfach fantastischen auch die Küsten Donegals sind atemberaubend schön.

Der Gleneagh National Park ist ein Muss für begeisterte Wanderer und das Glenveagh Castle am Lough Beagh ist ein traumhaft schönes Anwesen mit wunderbaren Gärten und Parks. Eine absolute Empfehlung!

Am Genveagh Castle Visitor Centre
Am Glenveagh Castle Visitor Centre (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Du musst allerdings ein bisschen Zeit mitbringen, denn auf den kleinen Straßen in der Gegend fährst man zwangsläufig langsam und auch der Besuch des Castles, ob per Shuttlebus, zu Fuß oder per Fahrrad, dauert ein paar Stunden.

Turm von Glenveagh Castle
Turm von Glenveagh Castle (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Aber wer lieber reist als rast, für den sind das County Donegal, der Glenveagh National Park und auch das Glenveagh Castle ein absoluter Geheimtipp!!!

Alle Informationen dazu findest du übrigens hier: https://www.nationalparks.ie/glenveagh/.

Viel Spaß auf deiner Reise!

Wald am See
Wald am See (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)



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Kommen bald…


Bildnachweis Titelbild: In den Gärten von Glenveagh Castle (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)





Uli Verfasst von:

Hallo und schön, dass du hier bist! Wir (meine Familie und ich) haben unseren Zweitwohnsitz in Irland und haben dort mehrere Jahre lang eine Motorradvermietung betrieben. In der Zeit ist dieser Blog entstanden, zunächst nur mit Artikeln über Irland. Inzwischen wächst er immer weiter: Wales, Schottland, England, Frankreich - und weitere europäische Länder werden folgen. Was mir dabei besonders wichtig ist: Echte Informationen und Erfahrungen von echten Menschen, die wirklich an dem Ort gewesen sind. Mit ChatGPT, Perplexity oder der Google KI kannst du dir Listen von Sehenswürdigkeiten und Must-See-Places aufzeigen lassen - ist ja erstmal ok. Die Informationen kommen dann meist von den Seiten der Tourismusanbieter der jeweiligen Orte. Viele dieser Orte sind in der Realität aber vielleicht tatsächlich völlig überrannt, überfüllt oder sonst wie nervig. Andere, wirklich schöne Orte, werden gar nicht genannt, weil eine KI von der anderen kopiert. Und so werden Inhalte im Internet immer wieder wiederholt. Wir machen das hier anders: Ich sage dir wo wir selbst waren, welche unbekannteren Orte schön sind (auch ohne viel Marketing) und welche super bekannten Orte tatsächlich schön sind (trotz viel Marketing). Also echte Erfahrungen, von echten Menschen und ganz ohne KI. In diesem Sinne - viel Spaß beim Lesen! Dein Ulrich Knüppel-Gertberg