Normandie: nordischer Charme

Wenn du die deutsche Nordseeküste kennst und magst, dann wird dir die Normandie bestimmt auch gut gefallen. Sie ist praktisch wie die Nordseeküste auf Steroiden! Was ich damit meine, ist…

In den Dünen von Berck-sur-Mer (Normandie)
In den Dünen von Berck-sur-Mer (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)




Intro und Reisebericht

Wer an Urlaub in Frankreich denkt, hat vielleicht eher Paris, die Cote d`Azur, oder die Provence im Kopf, als die Normandie. Die liegt an der Atlantikküste im Nordwesten Frankreichs.

Die Kreide-Klippen von Dieppe (Normandie)
Die Kreide-Klippen von Dieppe (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Der hohe Norden Frankreichs“ hat durchaus seinen eigenen Charme: Frei atmen – Freiheit atmen, ich habe die Normandie fest ins Herz geschlossen.

Stell dir vor du stehst am Meer, die Möwen kreischen, ein Fischerboot tuckert in der Ferne. Feiner Sandstrand erstreckt sich vor dir, über Kilometer.

Am Strand von Berck-sur-Mer (Normandie)
Am Strand von Berck-sur-Mer (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Der Wind bläst dir kühl ins Gesicht und spielt mit den Dünen. Am Strand liegen ein bisschen Seetang und Austern und Muscheln. Tief einatmen, ausatmen, genießen. Im hier und jetzt.

Ich bin gar kein spiritueller Mensch und ich mache auch keine Meditation. Aber die Natur kann solche Gedanken auslösen. In diesem Fall die pure Schönheit der langen Küsten der Normandie. Blick in die Ferne, bis zum Horizont.

Auf den Mauern von Mont-Saint-Michel (Normandie)
Auf den Mauern von Mont-Saint-Michel (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Zurück im Wohnmobil. Wir rollen durchs Hinterland. Auch das erinnert an Norddeutschland. Eher flaches Land, Ein paar Obstwiesen, ein paar Felder, viele Weiden, Pferde, Rinder. Offenes Land.

In der Ferne erhebt sich die Silhouette eine kleinen Ortes. Bauerhöfe und kleine Häuser im Fachwerk-Stil der Normandie ziehen an uns vorbei. Ein kleiner Fischerort, ein mittelgroßer Badeort, eine kleine Stadt mit einer wunderschönen Kapelle und vielen historischen Gebäuden.

Leuchtfeuer an der Hafeneinfahrt von Trouville (Normandie)
Leuchtfeuer an der Hafeneinfahrt von Trouville (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Wir sind viele Male durch die Normandie gerollt, meist mit dem PKW auf dem Weg zur Fähre in Cherbourg, die uns über Nacht nach Irland gebracht hat, zu unserem Zweitwohnsitz.

Diesmal sind wir von Irland aus mit dem Wohnmobil gestartet, um die französische Atlantikküste abzufahren und über Spanien und Portugal ans französische Mittelmeer und wieder zurück nach Deutschland.

Am Fischer-Pier von Trouville-sur-Mer (Normandie)
Am Fischer-Pier von Trouville-sur-Mer (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Da wir die Landzunge von Cherbourg schon gut kennen, haben wir diesem Teil diesmal etwas abgekürzt und verbringen mehr Zeit an den Küsten, die wir noch nicht so gut kennen.

Massive Mauern tauchen vor uns auf auf: Ein Landgut mit Apfelplantagen. Die Äpfel aus der Region werden großenteils zu Cidre verarbeitet. Aber sie landen auch in der heimischen Küche und begleiten zum Beispiel traditionelle Fleischgerichte.

Am Strand von Trouville-sur-Mer (Normandie)
Am Strand von Trouville-sur-Mer (Normandie) (photo: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Dieses Landgut hat auch einen schönen, größeren Wohnmobil-Stellplatz vor dem Gehöft. Wir parken unter hohen Bäumen, den Hof hinter uns und Apfelbäume vor uns. Außer uns gibt es noch ein paar Wohnmobile hier, aber es ist nicht mal halbvoll.

Die junge Dame, die für den Stellplatz zuständig ist, weiß warum: Jetzt im Herbst wird es schon etwas kühler hier in der Normandie. Viele Wohnmobile sind schon weiter gezogen, in den Süden. Ihr ist es auch zu kalt in der Normandie.

Angler am Pier von Trouville-sur-Mer (Normandie)
Angler am Pier von Trouville-sur-Mer (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Sie kommt aus Bordeaux, etwa 600 Kilometer weiter im Süden. Und sie mag lieber heißes Wetter. Die Leute sind auch lockerer im Süden. Im Norden sind sie mehr verschlossen.

Das kommt mir alles sehr bekannt vor, aus Deutschland: Anderes Land gleiche Diskussion. Aber wir sind hier auf der Höhe von Frankfurt am Main, Die Normandie ist ja aus unserer Sicht ja gar nicht weit im Norden.

Wandmalerei in Trouville-sur-Mer (Normandie)
Wandmalerei in Trouville-sur-Mer (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Wie auch immer, uns gefällt es hier sehr gut. Viel Land, traumhafte Küsten, nette Orte, entspanntes Reisen was will man mehr.

So entspannt ging es nicht immer zu in der Normandie. Im zweiten Weltkrieg fand an den breiten Stränden der Normandie die Invasion der Alliierten Kräfte statt, die noch immer jedes Jahr hier gefeiert wird. Zum Beispiel am Omaha Beach oder am Utah Beach.

Am Kanada-Memorial in Dieppe (Normandie)
Am Kanada-Memorial in Dieppe Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Es gibt hier an der Küste immer noch viele Bunkeranlagen und mehrere mehrere Museen, wo man sich Panzer, Jeeps, Flugzeuge und andere Geräte aus der Zeit anschauen kann.

Doch das waren nicht die ersten kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region. Im Jahr 911 gab der französische König Karl (Charles) das Herzogtum als Lehen an den Wikingerführer Rollo.

Blick vom Burgberg über Dieppe (Normandie)
Blick vom Burgberg über Dieppe (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Der Deal war: Die Wikinger durften an den schwach besiedelten Küsten im Nordwesten Frankreichs siedeln, hatten aber der französischen Krone Treue zu schwören und die langgestreckte Küste zu verteidigen – unter anderem gegen andere Wikingerstämme.

Damit schützten sie auch das Mündungsgebiet des Flusses Seine und kontrollierten damit den Zugang von Schiffen nach Paris. Heute liegt die große Hafenstadt Le Havre an der Seinemündung.

Am Chateau de Dieppe (Normandie)
Am Chateau de Dieppe (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Das taten die Wikinger unter Rollo so gut, dass sie permanent bleiben durften und sich mit der französischen Bevölkerung mischten. Es entstand das Mischvolk der Normandie.

Deren Nachfahren eroberten England und Irland, regierten die Inseln für mehrere hundert Jahre und bauten jede Menge trutzige normannische Burgen dort um ihr neues Herrschaftsgebiet zu festigen.

Blick vom Canada-Memorial zur Burg Dieppe (Normandie)
Blick vom Canada-Memorial zur Burg Dieppe (Normandie) (photo: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Es gibt wohl mehr normannische Burgen auf den brisch-irischen Inseln, als in der Normandie selbst.

Doch auch in der Normandie gibt es viele befestigte Städte, Burgen und Schlösser, die du besuchen kannst. Der Name „Normandie“ ist übrigens abgeleitet von den „Nordmannen“ oder „Nord-Männern“, die sich hier ansiedelten.

Mont-Saint-Michel in seiner ganzen Pracht (Normandie)
Mont-Saint-Michel in seiner ganzen Pracht (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


An der Südgrenze der Normandie steht noch ein Bauwerk, das du unbedingt besuchen solltest: Der Mont-Saint-Michel. Es ist eine ehemalige Abtei der Benediktiner, die im Mittelalter auf einen Felsen im Meer erbaut wurde.

Später wurde sie immer wieder erweitert und ausgebaut und besteht heut aus einer Abtei, einer Kirche, einer Kapelle und einem Dorf zu seinen Füssen. All das wird von massiven Festungsanlagen geschützt und steht auf einem hohen Felsen, der sich malerisch von der ansonsten flachen Landschaft abhebt.

Mont-Saint-Michel am Abend (Normandie)
Mont-Saint-Michel am Abend (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Die Gezeiten sind extrem stark hier und so ist der Mont-Saint-Michel bei starker Flut vollständig von Wasser umgeben. Ein schmaler Damm führt dorthin, aber selbst der kann überflutet werden. Bei Ebbe kann man allerdings teilweise um den Berg herumlaufen.

Im Hafen von Trouville-sur-Mer (Normandie)
Im Hafen von Trouville-sur-Mer (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Ich war früher schon hier und habe auch eine Führung durch den Mont-Saint-Michel mitgemacht, was ich dir auch sehr empfehlen kann.

Das Bauwerk gehört zum Weltkulturerbe und ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Aber auch hier gilt: Gehe nicht in den Sommerferien, sondern besser im Frühjahr oder Herbst, dann ist weniger los.

Sonnenuntergang am Strand von Fort-Mahon-Plage in der Normandie
Sonnenuntergang am Strand von Fort-Mahon-Plage in der Normandie (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Mehr Informationen zum Mont-Saint-Michel und anderen Sehenswürdigkeiten der Normandie findest du hier: https://en.normandie-tourisme.fr/.

Nur ein paar Kilometer weiter beginnt die Bretagne – doch das wird nochmal ein eigener Artikel.

Normannisches Fachwerkhaus in Fort-Mahon-Plage (Normandie)
Normannisches Fachwerkhaus in Fort-Mahon-Plage (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)




Hilfreiche Links für die Reiseplanung



Kommen bald…


Kino in Fort-Mahon-Plage (Normandie)
Kino in Fort-Mahon-Plage (Normandie)




Fazit

Die Normandie ist wahrscheinlich als Urlaubsregion eher unterschätzt. Viele zieht es nun mal nach Süden, in die Wärme (Hitze).

Ich sage: Es gibt Südreisende (wir sind das nicht) und es gibt Nordreisende (das sind wir!). Wenn du Nordreisende(r) bist, dann wird dir die Normandie sicher gut gefallen.

Strandhäuser an den Klippen von Dieppe (Normandie)
Strandhäuser an den Klippen von Dieppe (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Aber wir müssen gar nicht so polarisieren zwischen Nord und Süd. Die Normandie ist ländlich, eher flach, mit eher kleineren Orten und wenigen großen Städten. Sie ist nicht überlaufen und man kann sich hier angenehm frei bewegen.

Fischmarkt-Halle in Triouville (Normandie)
Fischmarkt-Halle in Triouville (Normandie) (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Ich mag die stillen Landschaften, die windigen Küsten, die endlosen Sandstrände, die kleine Städtchen und die unaufdringlichen Menschen hier.

Man könnte sagen die Normandie ist „kühl“, oder sogar fast „nordisch“. Und obwohl wir hier in Westeuropa und nicht in Nordeuropa sind, hat sie durchaus „nordischen Charme“!

Einer von vielen unglaublichen Stränden in der Normandie
Einer von vielen unglaublichen Stränden in der Normandie (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)




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Kommen bald….

Bildnachweis Titelbild: Blick auf den Mont-Saint-Michel am Abend (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Uli Verfasst von:

Hallo und schön, dass du hier bist! Wir (meine Familie und ich) haben unseren Zweitwohnsitz in Irland und haben dort mehrere Jahre lang eine Motorradvermietung betrieben. In der Zeit ist dieser Blog entstanden, zunächst nur mit Artikeln über Irland. Inzwischen wächst er immer weiter: Wales, Schottland, England, Frankreich und weitere europäische Länder werden folgen. Was mir dabei besonders wichtig ist: Echte Informationen und Erfahrungen von echten Menschen, die wirklich an dem Ort gewesen sind. Mit ChatGPT, Perplexity oder der Google KI kannst du dir Listen von Sehenswürdigkeiten und Must-See-Places aufzeigen lassen - ist ja erstmal ok. Die Informationen kommen dann meist von den Seiten der Tourismusanbieter der jeweiligen Orte. Viele dieser Orte sind dann aber tatsächlich völlig überrannt, überfüllt oder sonst wie nervig. Andere, wirklich schöne Orte, werden gar nicht genannt. Wir machen das hier anders: Ich sage dir wo wir waren, welche unbekannteren Orte schön sind (auch ohne viel Marketing) und welche super bekannten Orte tatsächlich schön sind (trotz viel Marketing). Und ich werde nicht einen "Must-See-Place" in schillernden Farben bewerben, wenn er gar nicht toll war. In diesem Sinne - viel Spaß beim Lesen! Dein Ulrich Knüppel-Gertberg