Einst herrschten sie über ein Reich von unvorstellbaren Ausmassen, das sich von Nordafrika über die Steppen Osteuropas bis nach Gallien und Germanien erstreckte. Doch als sie sich auf den Inseln des Nordatlantik niederliessen, war dies der Anfang vom Ende ihrer Vorherrschaft in Europa…
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Intro und Reisebericht
Wir wohnen (mit Erstwohnsitz) in Baden-Baden, einer ehemaligen Römer-Stadt in Germanien – heute Deutschland. Sie brachten den Wein an den Rhein und machten die Stadt zu einer der wichtigsten Spa-Towns Europas in der Welterbe-Liste der UNESCO.

Aber die Römer waren nicht nur in Germanien, sondern auch in England…Umso interessanter fand ich es, die ehemalige Nordgrenze des Römisches Reiches abzufahren und zu „er-fahren“. Genauer, den Hadrianswall im Norden Englands.
Damals war das Wetter dort noch zu ungemütlich um nennenswerten Weinbau zu betreiben, aber die Römer brachten ihre Bäder-Kultur mit sich nach Britannien. Ausserdem ihre außergewöhnliche Organisation und Verwaltung. Siedler, Siedlungen und Städte der Römer fanden ihren Weg immer weiter nach Norden.

Nichts davon wäre möglich gewesen ohne die römische Armee, die in der antiken Welt nicht ihresgleichen hatte. Lange vor der Fastfood-Kette McDonalds hatten die Römer den Wert der Standardisierung erreicht – ihre Armeen in allen Teilen Europas waren sehr ähnlich ausgebildet und ähnlich ausgestattet. Der gleiche Burger und das gleiche Schwert überall in Europa – sozusagen.

Kein Stamm und keine Armee hatten sich ihnen bisher auf Dauer widersetzen können. Germanen und Gallier hatten sich an ihnen bereits die Zähne ausgebissen (Von Asterix und Obelix mal abgesehen).
Doch dann geschah das Unerwartete: Es ging nicht mehr weiter in Britannien. Überhaupt war die ganze Eroberung eher mühsam gelaufen, das Wetter zu schlecht und in den Bergen des Nordens gab es ausser ein paar Rindern und Schafen vor allem Schnee im Winter und jede Menge aufsässige einheimischer Stämme.

Der Verfall des römischen Reichs hatte bereits begonnen und Rom hatte andere Sorgen, als sich mit renitenten Hinterwäldlern auf einer nass-kalten Insel herumzuschlagen.
Also tat Rom das, was es schon an anderen Orten bereits getan hatte: Es beendete seinen Vormarsch und befestigte die Grenzen seines Reichs, in diesem Fall die Nordwest-Grenze.

Kommt uns das in Deutschland auch bekannt vor? Ja genau, der Limes war ebenfalls so eine Reichsgrenze durch Germanien und der Hadrianswall im Norden Englands sollte auch eine solche werden.
Den Namen erhielt er übrigens von Kaiser Hadrian, der intensiv sein Reich bereiste und dessen Grenzen befestigte. Der Hadrianswall wurde zwischen den Jahren 122 und 128 nach Christus erbaut und erstreckt sich über 73 Meilen von der Westküste an die Ostküste Englands.

Dabei überquert er einige der schönsten und wildesten Landschaften der Insel – sprichwörtlich. Denn die lange Mauer schlängelt sich teilweise wie eine kleinere Ausgabe der Chinesischen Mauer über die nordenglischen Hügel.
Entlang des Hadrianswalls gibt es einen National Walk, also einen Fernwanderweg, der dem Verlauf der römischen Mauer weitestgehend folgt (Siehe: https://www.nationaltrail.co.uk/en_GB/trails/hadrians-wall-path/trail-information/).
Während unseres Besuchs habe ich zahlreiche Wanderer mit großen Rucksäcken gesehen, die an dem römischen Fort vorbeizogen um die schönen Landschaften Northumberlands zu Fuß zu erobern.

Was für ein römisches Fort? Ja genau, dazu kommen wir jetzt. Der Hadrianswall ist das größte römische Bauwerk, das in Großbritannien noch zu finden ist. Aber es gibt noch viele mehr. Einige davon befinden sich am Hadrianswall oder in unmittelbarer Nähe dazu.
Eine der größten römischen Stätten, die man besuchen kann, ist Housestead oder das Vercovicium, ein römisches Fort, von denen es damals mehrere entlang des Hadrianswalls gab. Die Grundmauern sind noch recht gut erhalten und es liegt direkt an der Mauer und ist ein Teil davon.

Das Housestead Visitor Centre informiert über den Besuch, dann spaziert man etwa 10 Minuten den Hügel hinauf und dort gibt es ein kleines Museum und das Fort selbst, dass man auf eigene Faust, oder mit einem geführtem Rundgang besichtigen kann. Siehe: https://www.english-heritage.org.uk/visit/places/housesteads-roman-fort-hadrians-wall/plan-your-visit/.
Direkt neben der Anlage findet sich ein Farmhaus, auf dessen Grund sich alles befindet. Du spazierst also zwischen Schafen durch die römische Anlage. Einigermaßen festes Schuhwerk kann ich sehr empfehlen. Hochhackige Schuhe wären definitiv ungeeignet für den Besuch, aber normale Sportschuhe oder Sneakers tun es völlig.

Ich habe mir das kleine Museum angesehen und fand es nett und informativ. Sehr gut gefallen hat mir der animierte Info-Film, in dem das Fort und seine Geschichte erklärt wurde – gut gemacht, wirklich.
Ich bin dann auf eigene Faust durch das Fort gewandert und ein Stück in beide Richtungen am Hadrianswall entlang um Fotos zu machen. Es gibt immer wieder gute Erklär-Schilder. Aber wenn man den Film gesehen hat, ist man schon gut informiert.

Der Aufbau des Forts ist – typisch römisch – streng symetrisch und standardisiert. Das war nötig weil immer wieder Truppen von Fort zu Fort weiter bewegt oder ausgetauscht wurden. Die Truppen hatten die gleiche Größe und alle Forts waren gleich – es passte also immer alles.
Fortschrittlich war vor allem das Hospital im Zentrum des Forts in dem verwundete oder kranke Soldaten gepflegt wurden – vorbildlich!

Hier lebten damals etwa 800 bis 1000 Soldaten, zum Teil mit ihren Familien. Als die Grenzen des römischen Reichs sich immer weiter ausdehnten, war es gar nicht mehr möglich, alle Truppen ausschliesslich mit Römern zu bemannen, denn so viel Nachwuchs konnten die Römer unmöglich haben.
Daher wurden die Forts gerne mit gemischten Truppen bemannt, von denen ein Teil Römer waren und ein Teil sich aus anderen unterworfenen Ländern des römischen Reichs rekrutierten. Je weiter weg von der Heimat, umso mehr „auxiliary troops“ wurden benötigt und eingesetzt.

In Housesteads waren ursprünglich etwa 50% Römer und 50% Soldaten vom Kontinent, vor allem aus der Ukraine und Belgien eingesetzt (wenn ich das richtig erinnere). Gegen Ende des römischen Reiches wurden immer mehr Römer an andere Schwerpunkte verlegt und die Besatzung im Vercovicium bestand schließlich hauptsächlich aus Soldaten vom Kontinent.
Um circa 400 nach Christus verließen die Römer das Vercovicium Housesteads und andere Standorte im römischen Reich und gaben ihre Präsenz in Britannien auf. Der Hadrianswall war offen und nicht mehr die Nordwest-Grenze des römischen Reiches.

Hilfreiche Links für die Reiseplanung
Hier habe ich noch ein paar sehr schöne Tipps für dich, wenn du dich weiter zu Schottland, Wales oder England einlesen möchtest oder auch nach einer entsprechenden Geschenk-Idee für Freunde oder Verwandte suchst. Dies sind Empfehlungs-Links für Produkte bei Amazon – siehe auch Transparenz.
Wanderlust Großbritannien & Irland: Unterwegs auf den Britischen Inseln.
Roadtrips Schottland: Die ultimativen Traumstraßen zwischen Edinburgh und der Isle of Skye.
Unterwegs in Schottland (KUNTH): Das große Reisebuch.
Unterwegs in England und Wales (KUNTH): das große Reisebuch.
Secret Citys England & Wales: Charmante Städte abseits des Trubels.
Schottland 51 bezaubernde Erlebnisse: Aufbruch zu einer unvergesslichen Reise…
Nord- und Mittelengland Reiseführer (Michael Müller Verlag): Individuell reisen…
Vielen Dank für deine Unterstützung dieses kleinen Reiseblogs – und viel Spaß beim Lesen!

Fazit
Wir haben die Fahrt durch Nordengland und den Besuch von Housesteads am Hadrianswall in unsere etwa 3-wöchige Rundreise durch Schottland eingebaut. Die Fahrten durch die schönen Landschaften von Northumberland haben uns super gut gefallen, wie uns überhaupt Nordengland sehr gut gefällt!
Wenn du in Nordengland unterwegs bist, schau unbedingt am Hadrianswall vorbei und besuche wenigstens eine der römischen Stätten dort. Das Vercovicium Housesteads ist sehr interessant und schön zu sehen und wird dir sicher auch gefallen.
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Kommen bald…
Bildnachweis Titelbild: Infotafel im Vercovicium Housesteads (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)