Die Altstadt von Saint-Malo ist komplett von hohen Stadtmauern umgeben, die bei Flut fast vollständig von Meereswasser umspült werden. Doch nicht nur die Stadt selbst beeindruckt, sondern auch ihre wunderschöne Lage…
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Intro und Reisebericht
Saint-Malo liegt im Norden der Bretagne und im Nordwesten Frankreichs. Der beeindruckende Mont-Saint-Michel (Normandie) ist nur einen Katzensprung weit entfernt, ebenso die Kanalinseln Guernsey und Jersey.
Diese liegen zwar vor der französischen Küste gehören aber zu England, auf der anderen Seite des Ärmelkanals, der an dieser Stelle schon sehr breit ist und bald in den Atlantik übergeht.

Die Altstadt liegt praktisch im Wasser. Sie wurde auf einer kleinen Insel vor dem Festland errichtet, die, vermutlich durch Aufschüttungen später mit dem Land verbunden wurde. Tatsächlich ist die Landseite so schmal, dass sie wohl damals leicht zu verteidigen war. Die Lage im Wasser gab der Stadt Schutz und die hohen Mauern, die Remparts, verstärkten diesen Schutz in alle Richtungen.

Wobei die Lage bei Ebbe und Flut extrem unterschiedlich aussieht, denn die Gezeiten fallen sehr stark aus im Norden der Bretagne und machen bis zu 12 Metern Unterschied in der Meereshöhe aus. Bei Ebbe kann man daher die Stadt großenteils zu Fuß umrunden, bei Flut müsste man dafür ein Boot nehmen.
Die Remparts wurden erst im 12. Jahrhundert errichtet und in den folgenden Jahren immer weiter ausgebaut. Der Grund waren wiederholte Überfälle der benachbarten Normannen auf die Stadt.

Die ursprüngliche gallo-römische Siedlung entstand übrigens nicht an dieser Stelle, sondern auf der benachbarten Halbinsel Alet, wo der heutige Ortsteil Cité d`Alet zu finden ist. Diese bergige Halbinsel schien für auch für Julius Cäsars Truppen geeignet um hier eine Garnison zu errichten.
Der Meinung waren wohl auch deutsche Truppen im zweiten Weltkrieg, die auf dem Hügel von Aleth eine Artillerie-und Bunkeranlage als Teil des Atlantikwalls errichteten. Diese beherbergt heute ein WW2-Museum, dass ganz offensichtlich von zahlreichen Schulklassen und vielen Familien und Reisenden gerne besichtigt wird.

Woher ich das weiß? Direkt unterhalb liegt ein Campingplatz auf dem wir unser Wohnmobil für mehrere Nächte geparkt haben. Der Weg zur Anlage führt mitten durch den Campingplatz und so spazieren jeden Tag viele Besucher her hindurch.
Die Bunkeranlagen auf dem Hügel sind übrigens völlig frei zugänglich. In der Mitte gibt es eine große Grünfläche und von den Mauern aus hat man einen unglaublichen Blick auf viele kleine vorgelagerte Inseln und Felsen. die Hafeneinfahrt von Saint-Malo, die Bucht von Les Corbières, wo unglaublich viele Yachten ankern, und natürlich das offene Meer.

Man kann die Halbinsel auch auf halber Höhe umwandern, denn es gibt einen schönen Wanderweg, der einmal drum herum führt. Im alten Hafen der Cité d`Alet ist ein einzelner großer alter Turm zu finden, der Tour Solidor.
Er markierte wohl die Einfahrt zum benachbarten Quai Solidor. Die kleinen Buchten mit Sandstrand sind wunderschön und die Häuser drumherum sind hauptsächlich einzeln stehende alte Gebäude – sehr nett!

Auf der anderen Seite kann man dem langen Strand Plage des Bas Sablons folgen und gelangt ins Hafengebiet von Saint-Malo. Die weitläufige Anlage besteht aus mehreren äußeren und inneren Hafenbecken, die mit Hebe-Brücken verbunden sind.
Wenn man nach Intra-Muros will, also in die Altstadt innerhalb der Mauern, dann muss man mindestens eine dieser Brücken überqueren. Und fährt gerade ein Schiff dort hindurch, dann muss man eben eine Weile warten.

Von Alet aus kann man sehr gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad nach Intra-Muros gelangen. Wir haben beides mehrmals gemacht. Die Stadt war übrigens während des zweiten Weltkriegs von Aliierten Truppen bombardiert und stark zerstört worden. Sie wurde jedoch von Frankreich ab 1945 nach altem Vorbild wieder aufgebaut und zu ihrer heutigen Schönheit restauriert.
Saint-Malo bietet übrigens den größten und wichtigste Hafen der Bretagne. Handelsschiffe und Fähren, Fischerboote und hunderte von Sport-Yachten sind hier zu finden.

Doch Saint-Malo war nicht immer ein friedlicher Handelspartner. Im 16. Jahrhundert galten die Korsaren (Les Corsaires) von Saint-Malo als Schrecken holländischer und englischer Handelsschiffe. Korsaren waren vom König bestätigte Piraten, die Schiffe anderer Nationen kaperten, wovon auch die französische Krone profitierte.
Das war seinerzeit nicht unüblich, auch die Engländer hatten vergleichbare Arrangements mit Piraten. Das Geschäft mit Kaperfahrten, Schmuggeln und Sklavenhandel war extrem profitabel und trug erheblich zum Reichtum der Stadt bei.

Der Begriff „Corsaire“ begegnet uns öfter in der Stadt und im Hafen liegt ein sehr schönes Museumsschiff, die L`Etoile du Roi, die mal eine Fregatte der Korsaren war. Siehe: https://www.etoile-marine.com/visite-etoile-du-roy/.
Informationen zu allen Sehenswürdigkeiten der Stadt findest du übrigens hier: https://www.saint-malo-tourisme.com/.

Die Stadt innerhalb der Mauer ist schon vor den Mauern einladend. Wir erleben ein großes Schwimm-Festival am Strand mit viel Musik, sowie eine kleine Kirmes im Park vor dem Stadttor.
Es ist Ebbe und ich spaziere über den schönen Sandstrand zur gegenüberliegenden Insel Fort-National, auf der, wie der Name verrät, eine Fort steht.
Es gibt noch zwei weitere Inseln vor der Stadt, die Isles de Grand Bé und Petit Bé. Auf letzterer steht auch nochmal ein Fort, das wohl die Seeseite der Stadt einst beschützte.

In den felsigen Klippen vor der Stadt liegt ein Gezeitenpool, ein fast natürliches Schwimmbad in dem gerade Schwimmunterricht für Kinder stattfindet, die so in ruhigem Meerwasser sicher schwimmen können.
Überhaupt sehe ich unglaublich viele Familien mit Kindern, die meisten Franzosen. Saint-Malo ist ein attraktives Urlaubs- oder Wochenendziel, auch jetzt im Herbst noch.

Die Stadt zwischen den Mauern ist dann auch entsprechend voller Leben. Kein Autoverkehr, von einzelnen Lieferwagen abgesehen, aber Fussgänger-Zonen, Geschäfte aller Art, Essen und Trinken. Kein Zweifel, diese Stadt lebt auf jeden Fall auch vom Tourismus.
Ein Highlight ist auf jeden Fall ein Spaziergang auf den Mauern der Stadt. Ich umrunde sie zur Hälfte und genieße die unglaublichen Aussichten auf die Küste. Inseln, Klippen, Sandstrand und jede Menge Segelboote vor der Küste – herrlich!

Aber auch die Stadtseite kann sich sehen lassen, denn es gibt jede Menge schöner historischer Gebäude. Wie zum Beispiel die Cathédrale Saint-Vincent de Saint-Malo, die ich besuche. Sie ist stilistisch gemischt: Romanische, gotische und Elemente der Renaissance wechseln sich ab. Die bunten Kirchenfenster erzählen von der Geschichte der Stadt.

Hunger und Durst treiben mich aus der besinnlichen Ruhe der Kathedrale wieder ins bunte Leben der Altstadt. Essen und Trinken sind hier reichlich zu finden und bald wandere ich wieder mit meiner Kamera durch die Gassen und schließlich mit völlig platten Füssen zum Stadttor hinaus.
Was für eine tolle Stadt ist doch Saint-Malo. Wir werden auf jeden Fall nochmal wieder kommen!

Hilfreiche Links für die Reiseplanung
Kommen bald…

Fazit
Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole (schon wieder…), Saint-Malo verdient es von dir besucht zu werden – ganz sicher!
Aber: Sie ist eine touristische Stadt, wo im Hochsommer ganz sicher „die Hölle los ist“.
Im Frühjahr und Herbst ist hier offenbar immer noch viel los, aber in einem Maße, dass Spaß macht! Wir haben Saint-Malo im Herbst besucht und es hat uns mega gut gefallen.

Im Herbst kann es zwar auch windig und kühl werden in Nordfrankreich, aber uns ist das allemal lieber als bei Sommerhitze durch eine überfüllte Stadt zu schwitzen.
Nun, die Geschmäcker sind hier verschieden und wenn du den Sommer aber lieber magst, dann gehe eben im Sommer (ich habe dich gewarnt!).
Nimm dir auf jeden Fall einige Tage Zeit, mindestens aber zwei Übernachtungen um die Altstadt zwischen den Mauern und die nähere Umgebung zu erkunden. Es wird dir ganz sicher gefallen!

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Kommen bald…
Bildnachweis Titelbild: Blick vom Sportboot-Hafen auf die Stadt Saint-Malo, Intra-Muros (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)