Warum sollte ich im Januar Urlaub in England machen? Muss ich mir das antun?
Warum das tatsächlich gar keine „Strafe“ ist und warum das sogar richtig Spaß machen kann, dazu kommen wir jetzt…
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Intro und Reisebericht
Wir sind gefühlt schon hundert Mal an Bath vorbeigefahren, oder es jemals anzuschauen. Aber ich hatte es immer auf meiner mentalen To-Do-Liste.
Wo liegt Bath? Im Südwesten von England, nicht weit von der großen Hafenstadt Bristol entfernt.

Wenn wir durch England und Wales fahren und dann die Fähre nach Irland nehmen, wo wir unseren Zweitwohnsitz haben, dann kommen wir hier vorbei.
Diesmal sind wir von Irland zurück nach Deutschland gefahren und haben uns für die Fahrt etwas mehr Zeit genommen. Genügend Zeit um endlich mal eine Übernachtung in Bath einzulegen.

Warum ist das interessant? Bath ist berühmt für ihre Römischen Bäder mit heißen Quellen und gilt als eine der Great Spa Towns of Europe und ist bei der UNESCO als Weltkulturerbe gelistet. Und damit hat es auch eine sehr schöne und sehenswerte Altstadt.

Tatsächlich kommen wir aus einer ähnlichen Stadt: In Deutschland leben wir am Rande von Baden-Baden, was im Grund das gleiche bedeutet wie Bath.

Es gibt hier Römische Bäder, heiße Quellen und eine wunderschöne Altstadt. Und auch Baden-Baden ist Weltkulturerbe und eine der Great Spa Towns of Europe.
Was liegt also näher für uns, als das englische Gegenstück zu besuchen? Wir finden eine wunderschöne Übernachtung (über Airbnb) und buchen eine Übernachtung.

Ein Reihenhaus in einen Stadtteil der fußläufig zur Innenstadt liegt. Das kleine Häuschen ist mega schön eingerichtet und drinnen erstaunlich ruhig.
Das ist nicht unwichtig, denn die Stadt zählt um die 100000 Einwohner und der Verkehr ist durchaus lebhaft. Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und machen uns auf den Weg in die Altstadt.

Der morgendliche Verkehr ist teilweise zu laut für unseren Geschmack und wir sind froh, als wir den River Avon erreichen.
In einer langen Schleife zieht er durchs Land und umgibt die Altstadt an drei Seiten. Das ist typisch für alte Städte, die zu ihrem Schutz auf einem Hügel, oder am Wasser errichtet wurden. So waren sie, mindestens auf der Fluss-Seite, leichter zu verteidigen.

Bath ist schon sehr alt. Die Kelten wussten schon von den heißen Quellen und als die Römer das südliche Britannien eroberten, bauten sie hier den Ort Aqua Sulis.
Das begann im Jahr 43 und zog sich vermutlich über viele Jahre. Sie bauten Thermen und Badehäuser, aus der Siedlung wurde eine Stadt, die sich immer weiter entwickelte.

Etwa 500 Jahre später zerbrach das römische Reich und die Römer zogen sich zunehmend aus Britannien zurück. Das geschwächte Reich war offenbar einladend für andere Mächte und so erfolgte die Invasion der Angelsachsen in Britannien.

Im Jahr 577 eroberten die Angelsachsen die Stadt Aqua Sulis und gaben ihr den Namen „Hat Batha“, was später auf englisch „hot baths“ bedeutet und der Stadt ihren heutigen Namen gab.

Mit der Namensgebung waren die Angelsachsen aber schon fertig, denn da sie nicht so eine Badekultur wie die Römer hatten, kümmerten sie sich nicht mehr um die Bäder.
In den folgenden Jahrhunderten versanken sie buchstäblich im Schlamm des Flussufers und wurden erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt und restauriert.

Wobei es neben dem Römischen Bad auch das Kings Bath, das Cross Bath und das Hot Bath gab, die im Mittelalter erbaut wurden und auch im 16. und 17. Jahrhundert als Kuranlagen für Adlige genutzt wurden.

Als im 19. Jahrhundert das Kings Bath restauriert und durch das Queens Bath erweitert wurde, stieß man auf die römischen Fundamente und legt sie frei.
In dieser viktorianischen Zeit wurde Bath wieder aufgebaut und zu einem mondänen Kurort. Die Gebäude der heutigen Altstadt stammen großenteils aus dieser Zeit.

Wir folgen also dem River Avon. Am Ufer ist es relativ ruhig, Bäume umgeben uns und wir erreichen bald einen Park. Alte Speicher stehen am Flussufer.

Der Fluss Avon war damals schon durch einen Kanal mit der Themse verbunden. Narrowboats, also schmale Frachtschiffe, konnte über Schleusen bis nach London fahren – und zurück. Gegen den Strom wurden sie von Pferden gezogen, die auf schmalen Pfaden am Ufer entlang zogen.

Die alten Fracht- und Handelshäuser wurden restauriert und beinhalten heute offenbar Büros und Lofts, also Wohnungen in wunderbare Lage direkt am Fluss.
Wir kommen in die Altstadt, die zu einem guten Teil Auto-frei ist. Der Kern der Altstadt und sicher auch der schönste Teil, liegt rund um das Römische Bad. Der Eingang dazu ist bei den Kings and Queens Baths zu finden.

Das wunderschöne Römische Bad beinhaltet ein Museum und man kann natürlich Führungen mitmachen. Wir haben leider nicht so viel Zeit, da wir heute noch weiter reisen werden und so spaziere ich nur um die weitläufige Anlage, vorbei am Pump Room, der Bath Abbey und zum River Avon.
Ich stoße auf einen schönen Park am Fluss, den City Parade Gardens und folge diesem bis ich das Pulteney Weir und die schöne bebaute Pulteney Bridge erreiche.

Die Kulisse ist einfach malerisch, obwohl das Januar-Wetter feucht und kühl und der Morgen eher dunkel ist. Einer dieser Wintertage, die scheinbar gar nicht hell werden wollen. Aber wir haben dennoch viel Glück, denn während unserer Stadtrundgangs regnet es gerade nicht.

Ich genieße die neblige Morgenstimmung am Fluss und wandere in einem Bogen, vorbei an der Guildhall mit ihrer Markthalle dun durch die kleinen Gassen der Altstadt und wieder zurück zu denn Bädern.

Die Bath Abbey, die direkt hinter den Bädern zu finden ist, ist übrigens wunderschön! Sie ist mit vielen Steinfiguren üppig verziert. Besonders interessant ist die Himmelsleiter mit Engeln an einem der Türme. Ich bin gar nicht religiös, aber das Bauwerk ist einfach nur beeindruckend.
Bummelnd und ein bisschen shoppend wandern wir zu unserer Unterkunft und unserem Auto zurück und setzen kurz darauf unsere Heimreise fort.

Hilfreiche Links für die Reiseplanung
Hier habe ich noch ein paar sehr schöne Tipps für dich, wenn du dich weiter zu Schottland, Wales oder England einlesen möchtest oder auch nach einer entsprechenden Geschenk-Idee für Freunde oder Verwandte suchst. Dies sind Empfehlungs-Links für Produkte bei Amazon – siehe auch Transparenz.
Wanderlust Großbritannien & Irland: Unterwegs auf den Britischen Inseln.
Roadtrips Schottland: Die ultimativen Traumstraßen zwischen Edinburgh und der Isle of Skye.
Unterwegs in Schottland (KUNTH): Das große Reisebuch.
Unterwegs in England und Wales (KUNTH): das große Reisebuch.
Secret Citys England & Wales: Charmante Städte abseits des Trubels.
Schottland 51 bezaubernde Erlebnisse: Aufbruch zu einer unvergesslichen Reise…
Nord- und Mittelengland Reiseführer (Michael Müller Verlag): Individuell reisen…
Vielen Dank für deine Unterstützung dieses kleinen Reiseblogs – und viel Spaß beim Lesen!

Fazit
Bath ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Ist der Januar der ideale Monat dafür? Vielleicht nicht unbedingt, aber es ist auch kein Problem, denn die Winter sind relativ mild im südlichen Teil Englands.
Natürlich kann es regnen, im Winter mehr als im Sommer, aber wenn man eine Stadt besichtigt, dann ist man ja auch viel drinnen in irgendwelchen Gebäuden, zum Besichtigen, Shoppen, Essen und Trinken.

Bath ist auf jeden Fall eine touristische Stadt mit einem unglaublich großen Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten. Die sind im Sommer aber auch deutlich teurer, als jetzt im Winter, und können dann auch mal lange im voraus ausgebucht sein!
Wir haben den kurzen Aufenthalt auf jeden Fall sehr genossen und können Bath unbedingt empfehlen. Die Altstadt ist super schön, vor allem rund um die alten Bäder – auch im Januar!

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Bildnachweis Titelbild: Früher Winter-Morgen an den Bädern von Bath (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)