Häfen sind faszinierend. Alt und neu, Geschichte und Gegenwart, das Tor zur Welt… In neuerer Zeit sind sie darüber auch immer öfter auch Büro- und Wohnviertel, Kulturmeile und Zentrum der Gastronomie. Dublin`s Hafenviertel ist definitiv alles das – und mehr…
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Intro und Reisebericht
Wir waren immer wieder mal in Dublin. Wir sind auch immer wieder mal mit dem Auto durchs Hafengebiet gefahren, meist auf dem Weg zur Fähre. Aber wir haben uns das Hafengebiet von Dublin nie näher angeschaut. Bis heute…
Zur Erklärung: Wir (kommen aus Deutschland und) haben unseren Zweitwohnsitz im Südosten von Irland, etwa eineinhalb Stunden südlich von Dublin.

Aber auch wenn du nicht dort wohnst, wirst du bei deiner Irlandreise sicher in Dublin ankommen, abreisen oder vorbeikommen. An Dublin führt in Irland kaum ein Weg vorbei – und das ist völlig in Ordnung.
Mit dem Zug tuckern wir gemütlich in die Hauptstadt. Das ist sehr angenehm im Vergleich zum Auto fahren, denn Dublin ist eine Großstadt und der Verkehr ist entsprechend. Ein Parkhaus finden in der City ist auch nicht einfach. Aber der Hauptbahnhof Connolly Station liegt fast mitten in der City.

Was meine ich damit? Die Altstadt rund um Templebar liegt am Südufer des River Lifffey. Der Bahnhof liegt nahe dem Nordufer des Liffey. Wer mag, kann auch eine Station früher aussteigen und ist dann schon mittendrin.
Meine Frau steigt hier aus, denn sie möchte shoppen. Ich fahre noch bis Connolly, denn ich möchte besichtigen und fotografieren…

Vom Bahnhof zum Ufer des Liffey sind es nur ein paar Meter. Der Fluss fließt mitten durch Dublin hindurch. Breit und träge wälzt er sich von der Innenstadt bis ins Mündungs-Gebiet, wo heute die großen Fracht- und Fährhäfen liegen.

Auf dem Weg dorthin führt er durch das alte Hafengebiet. Früher gab es Anleger direkt am Fluss und mehrere kleinere Kanäle, die über Schleusen vom Fluss aus zu erreichen waren. Dort hinein fuhren damals die Frachtschiffe und entluden ihre Ladung in den Kanälen, wo die alten Speicherhäuser standen.

Auch die ruhmreiche Guinness-Brauerei wurde über den Fluss mit Holz, Hopfen, Malz und allem was sie zum Bier brauen benötigte versorgt. Die vollen Bierfässer wurden dann über Land in Irland, oder über See in viele Länder Europas und vor allem nach USA verschifft.
Kleine, mechanische Hubbrücken führten den Straßenverkehr über die Seiten-Kanäle. Kam ein Schiff, wurde die Brücke angehoben, oder in die Senkrechte gekippt.

Ich schlendere die schöne Promenade am River Liffey entlang und überquere einen der alten Kanäle über eine solche Hubbrücke.
Vor mir sehe ich Brücke über den Fluss, moderne Bürogebäude und ein altes Segelschiff, Das ist die Jeannie Johnston, ein Museumsschiff, das direkt vor dem EPIC liegt. Das EPIC ist das Emigration Museum von Dublin.

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Irland eine verheerende Kartoffelfäule, die eine mehrjährige Hungersnot nach sich zog, die sogenannte Famine. In diesen Jahren dezimierte sich die Bevölkerung der Insel dramatisch. Viele verhungerten kläglich und etwa 2 Millionen Iren wanderten aus nach Irland.
Sie bildeten den Grundstock für etwa 40 Millionen irisch-stämmiger Amerikaner heute! Zahlreiche amerikanische Prominente sind und waren irischer Abstammung, wie zum Beispiel die Schauspieler Grace Kelly, Clint Eastwood und Harrison Ford, oder auch die Präsidenten John F. Kennedy, Ronald Reagan und Joe Biden.

Das EPIC ist in ehemaligen Lagerhallen untergebracht: Grosse Hallen mit Glaswänden, getragen von aufwändigen schnörkeligen eisernen Säulen. Die Hallen sind frei zugänglich und innen finden sich mehrere Food- und Coffee-Shops.
Das EPIC selbst besuche ich diesmal nicht und auch die Jeannie Johnston besichtige ich nur von außen. In New Ross gibt es auch ein Museumsschiff und ein Museum zum gleichen Thema.

Beide habe ich besucht und fühle mich daher gut informiert. Wer das noch nicht getan hat, sollte das EPIC und die Jeannie Johnston in Dublin besuchen, ich kann es sehr empfehlen.
Ich folge dem Fluss noch eine Weile und spaziere dann über die Samuel Beckett Bridge auf die südliche Flussseite. Wenn du schon mal Bilder von Dublin gesehen hast, wirst du die Brücke kennen, denn sie sieht aus wie eine weiße irische Harfe.

Eine einzelne große, geschwungene Säule ragt über die Brücke empor. Von dieser aus verzweigen sich zahlreiche Stahlseile, die sich fächerförmig ausbreiten und die Brücke tragen. Eine Harfe, eben – ist klar, oder?
Staunend folge ich dem Fluss und kann mich gar nicht sattsehen an dem heftigen Kontrast zwischen Alt und Neu, der mir immer wieder begegnet.

Auf dem Fluss sehe ich Kids beim Segelunterricht. Menschen paddeln oder rudern an mir vorbei und ab und zu tuckert ein Ausflugsboot vorbei. In der Ferne sehe ich schon die Verladekräne des heutigen Hafengebiets.
Ich fotografiere am liebsten Altstätte und fühle mich zu moderner Architektur überhaupt nicht hingezogen. Wirklich gar nicht. Aber hier am River Liffey bin ich dann doch fasziniert:

Hohe und moderne Glasfassaden wechseln sich immer wieder ab mit alten, kleineren Backsteingebäuden. Der Kontrast ist extrem, vor allem dort, wo die neuen Gebäude in die alten Fassaden integriert wurden oder um diese herumgebaut wurden.
Irland ist übrigens das Silicon Valley Europas. Nahezu alle großen amerikanischen Software-Unternehmen, so auch Google und Amazon, haben ihren Europa-Sitz in Irland, die meisten in Dublin und davon die meisten hier, am River Liffey.

Ich komme an zahlreichen Firmennamen vorbei, die ich als große oder kleinere Software-Marke kenne.
Entsprechend geht es hier auch geschäftig und geschäftsmäßig zu. Viele junge Leute aus allen Ecken der Welt arbeiten hier. Anzüge, Laptop-Taschen, Business-Casuals, Business-Hipsters. Viel Leben, viele Sprachen, viele junge Menschen.

Ich komme zu einem Seitenkanal, über den hier erstmal keine Brücke führt. Das ist der Grand Canal. Er zweigt vom River Liffey ab und führt quer durchs Land, bis zum River Shannon im Westen. Es gibt auch noch den Royal Canal, der das ebenfalls tut.
Beide Kanäle führen zum River Shannon im Westen. Einer weiter nördlich und einer weiter südlich. Über diese Kanäle führen früher Narrow Boats. Schmale Frachtschiffe, ursprünglich von Pferden gezogen, versorgten das Land mit Gütern.

Heute sind viele dieser Narrow Boats motorisiert und umgebaut zu Hausbooten. Einige davon liegen im Hafen des Grad Canal, andere auf dem River Shannon, dem River Barrow, oder sie fahren irgendwo auf den weitverzweigten Fluss- und Seen-Systemen der Insel herum.

Auch der alte Hafen am Grand Canal ist heute ein Büroviertel. Eine nette Promenade und mehrere Restaurants laden ein zu verweilen. Ich lasse das bunte Treib an mir vorbeiziehen.
Eine geführte Tour-Gruppe steht mit ihren Fahrrädern am Fluss, Es macht Sinn Dublin mit dem Fahrrad zu besichtigen, oder eben zu Fuß. Nur nicht mit dem Auto, das hat wenig Sinn.

Ein Stück weiter kommt wieder eine Brücke Etliche Boote liegen davon und dahinter und die alten Mehlspeicher von Bolands heben sich markant ab vor den modernen Hochhäusern dahinter. Neu und Alt – was für ein Kontrast – immer wieder!
Inzwischen ist Mittagszeit. Die Restaurants am Grand-Canal füllen sich und auch am Liffey-Ufer, ein paar Gehminuten weiter, finden sich viele Restaurants mit vielen Menschen. Auch mein Magen knurrt inzwischen hörbar. Eine kleine Fußgängerbrücke bringt mich zurück zum EPIC, wo ich mein Mittagessen finde.

Aber ich bin ja nicht nur zum Essen hier – also wieder und weiter gelaufen! Ich folge dem Nordufer in Richtung Ha`Penny Bridge. Der Name steht kurz für Half Penny Bridge, denn damals kostete es einen halben Penny, die kleine bogenförmige Fußgängerbrücke zu überqueren. Heute kostet das nichts und weil die Brücke sehr hübsch ist, gehört sie zu den Sehenswürdigkeiten Dublins.
Ich schlendere noch ein bisschen durch die Seitenstraßen und mache mich so langsam wieder auf den Weg zur Bahnhaltestelle. Meine Frau hat ihr Shopping auch beendet und mit platten Füßen und vielen Eindrücken machen wir uns zufrieden wieder auf den Heimweg.

Hilfreiche Links für deine Reiseplanung
Hier habe ich noch ein paar sehr schöne Tipps für dich, wenn du dich weiter zu Irland oder Nordirland einlesen möchtest, oder auch nach einer entsprechenden Geschenk-Idee für Freunde oder Verwandte suchst. Dies sind Empfehlungs-Links für Produkte bei Amazon – siehe auch Transparenz.
Roadtrips Irland: Unvergessliche Traumrouten für den perfekten Urlaub mit Auto, Camper und Motorrad.
Unterwegs in Irland: Das Große Reisebuch (Kunth unterwegs).
Wanderlust Großbritannien & Irland: Unterwegs auf den Britischen Inseln
Irland. Das Kochbuch. Viele leckere, irische Gerichte zum nachkochen findest du in diesem tollen Kochbuch.
Paddy´s Speis´ und Trank ist ein kulinarisch-literarische Reise durch Irland. Ein sehr spezielles Buch!
Glenkill – ein Schafskrimi: Ein Bestseller von Leonnie Swann – beste Abend-Lektüre vor und auf der Irlandreise!
Fotobuch Wild Atlantic Way von Stefan Schnebelt. Das richtige Buch um zuhause von der nächsten Irlandreise zu träumen!
Mit dem Kühlschrank durch Irland: Witziger Roman nach einer wahren Geschichte.
Vielen Dank für deine Unterstützung dieses kleinen Reiseblogs – und viel Spaß beim Lesen!

Fazit
Ich mache es kurz: Dublin ist schon cool! Egal, ob du dir die Altstadt rund um Temple Bar anschaust, das Trinity College besuchst, eines der zahlreichen Museen besuchst, wie zum Beispiel die Dublinia oder das EPIC, ob du shoppen, essen und trinken möchtest, Life-Musik magst, oder einen Spaziergang am River Liffey machst, hier findest du sicher eine Aktivität nach deinem Geschmack.

Aber ich muss dich auch vorwarnen: Die Stadt ist weitgehend modern und laut und hektisch mit viel Verkehr und wenn man lieber gemütliche Altstadt mag, so wie wir, dann ist nicht alles schön.
Aber es gibt viele schöne Ecken und zu meiner eigenen Überraschung fand ich die modernen Business-Viertel am River Liffey und am Grand Canal sogar sehr cool!
In dem Sinne: Hab viel Spaß in Dublin!

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Bildnachweis Titelbild: Im alten Hafen am Grand Canal in Dublin (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)