Der Drombeg Stone Circle – das steinerne Erbe Irlands

Last updated on 3. März 2024

Für Steinkreise interessieren sich wahrscheinlich zwei Besuchergruppen besonders: Menschen, die ein allgemeines Interesse and der Geschichte eines Landes haben und Menschen, die sich besonders für Mythologie interessieren.

Aber welcher Gruppe du auch angehörst, wenn du Irland besuchst, solltest du den Drombeg Stone Circle unbedingt in deine Tour einplanen…

Drombeg Stone Circle und Umgebung
Drombeg Stone Circle und Umgebung (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Intro

Ich bin gar kein mythologischer Mensch, aber besondere Orte haben auch auf mich eine besondere Wirkung. Ich nehme sie bewusst wahr, verbringe gerne etwas Zeit dort und lasse den Ort auf mich wirken.

Die „Magie“ des Ortes wirkt offenbar auf viele Menschen und so ist es nicht verwunderlich, dass solche besonderen Orte schon seit jeher auch als rituelle und kulturelle Orte von Menschen genutzt wurden.

Der Steinkreis von Drombeg an der Südküste Irlands ist ein solcher Ort.

Es ist eher ein kleiner und unscheinbarer Ort, abseits der großen Touristenströme.

Bei einer Motorradtour habe ich eher zufällig ein kleines Hinweisschild wahrgenommen. Weil ich es nicht eilig habe, bin ihm einfach mal gefolgt. Der kleine Parkplatz fasst nur wenige Fahrzeuge, aber ein Motorrad passt irgendwie immer noch dazu.

Den Helm in der Hand schlendere ich den kleinen Weg entlang, ohne jede Erwartungshaltung – die schönste Art des Reisens.

Eine Informationstafel klärt mich über den Steinkreis auf. Ich umrunde den Steinkreis mehrmals, mache ein paar Fotos – und dann noch einige. Eine tiefe und zufriedene Ruhe liegt über der Szenerie – die wenigen weiteren Besucher wirken auch alles andere als gestresst.

Die Landschaft ist ein Traum. Ich liebe die irischen „rolling hills“, die hügeligen Landschaften mit ihren Weiden und kleinen Gehöften. Im Hintergrund sehe ich das Meer mit dem blaugrauen Horizont verschmelzen.

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Auf einer kleinen Anhöhe sitzend, lasse ich den Blick über den Steinkreis in die Ferne schweifen und genieße die wunderbare Szene noch eine Weile, bevor ich mich wieder auf den Weg mache und der Buchten-reichen, schroffen Küste nach Westen folge…

Meine Familie und ich stammen aus Deutschland, leben aber (Zweitwohnsitz) in Irland. Im Sommer betreiben wir südlich von Dublin unsere Motorradvermietung (www.easycruiser.tours) und unsere Gästezimmer (www.the-view-accommodation.ie). Wir haben die Insel viele Male bereist und kennen sie recht gut.

Was wir heute über den Drombeg Stone Circle wissen

Hier feierten Menschen lange vor Einzug des Christentums ihre Rituale und Feste über deren Bedeutung wir heute nur spekulieren können.

Die Kultstätte ist mehrere tausend Jahre alt. Jedenfalls wurde das Skelett eines männlichen Jugendlichen, welches hier ausgegraben wurde auf ein Alter von etwa 3000 Jahren datiert. Der Steinkreis ist vermutlich viel älter.

War dies eine keltische Kultstätte? Nach bisheriger Auffassung kamen die Kelten im Rahmen der Völkerwanderung erst um 600 vor Christus von Frankreich aus nach Irland. Viele der Dolmen, Menhire, Ringkreise und Siedlungsfunde in Irland sind aber mehrere tausend Jahre älter. Wahrscheinlich gab es in Irland schon lange vor den Kelten eine Bevölkerung der späten Steinzeit und frühen Bronzezeit, die Kultstätten aus Stein bauten – eine Megalithkultur, wir sie auch besonders an der Nordküste Spaniens oder in der Bretagne („Hinkelsteine“) zu finden ist.

„Heidnische“ Feste wurden gerne nach einem astronomischen Kalender ausgerichtet und fielen in zum Beispiel in die Zeiten der Wintersonnenwende oder der Sommersonnenwende.

Hütte und Wasserstelle am Drombeg Stone Circle
Hütte und Koch-Wasserstelle am Drombeg Stone Circle (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)



Wenn man den Stone Circle über die zwei Portal Tombs, die knapp zwei meter hohen Portalsteine betritt, schaut man über einen flachen Stein nach Südwesten, in Richtung der Wintersonnenwende. Die Ausrichtung ist heute nicht ganz präzise, was möglicherweise an der Verschiebung der Erdrotationsachse über die Jahrzausende liegt. Früher war die Ausrichtung vermutlich sehr genau.


Der Steinkreis besteht insgesamt übrigens aus 17 Steinen. Der flache Stein gegenüber den Portalsteinen wird heute als Opferstein bezeichnet, ob er diese Rolle hatte, und ob das Skelett ein Opfer war, ist nicht völlig geklärt.

Wahrscheinlich ist aber, dass auch die Megalithkulturen lange vor den Kelten schon Druiden kannten, die in diesem Steinkreis (und anderen) rituelle Zeremonien abgehalten haben.

Druiden waren vermutlich vor allem als Priester und für die Verbindung der menschlichen Welt mit der religiösen Welt verantwortlich. Sie waren die Bewahrer der Geschichten und Religion ihres Volkes, die vor allem mündlich weitergegeben wurden. Es ist auch wahrscheinlich, dass sie die Natur, die Sterne und die Heilkräfte der Pflanzen besser kannten als andere Menschen und auch dieses Wissen von Generation zu Generation unter den Druiden mündlich lehrten und weiter gaben.

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Neben dem Steinkreis finden sich auf dem Gelände auch noch steinerne Überreste zweier Hütten, sowie eine Kochstelle. Ein eckiges, aus Steinen eingelassenes Gefäß enthielt Wasser, das mit heißen Steinen aus einer Feuerstelle erhitzt wurde. Ob diese Kochstelle rituelle Bedeutung hatte, oder einfach eine Kochstelle für Essen war, ist heute nicht völlig klar.


Mythologie der Steine

Die rein wissenschaftliche Betrachtung des Steinkreises von Drombeg, oder allgemein von Megalithkulturen kann mitunter etwas langweilig ausfallen.

Das liegt wohl daran, dass wir kaum herausbekommen können, wie die Menschen vor 5000 Jahren wirklich lebten, geschweige denn, wie ihr spirituelles Leben aussah.

Geschichten und Geschichte wurde damals einfach noch nicht aufgeschrieben und die mündliche Weitergabe alten Wissens geriet in der jüngeren Geschichte mit Christianisierung und Aufklärung weitgehend in Vergessenheit.

Aber in Mythen, Märchen und Legenden haben Spuren des alten Wissens, oder Glaubens, die Zeiten viel besser überdauert.

Die Iren lieben eine gut erzählte Geschichte und Irland ist ein Land der Mythen: Natürlich haben am Drombeg Stone Circle magische Rituale mit Tier- und Menschenopfern stattgefunden. Und ja, Druiden haben natürlich magische Kräfte. Es war ein dunkler und böser Ort voller Leid und die Banshee (Todesfee) hat jedes Mal den nahen Tod eines Menschen durch schrille Schreie angekündigt.

Nun, das kann und will ich nicht beurteilen. Aber ich habe den Ort als wirklich schön und (fast meditativ) ruhig empfunden.

Am Drombeg Stone Circle
Am Drombeg Stone Circle (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Den Drombeg Stone Circle besuchen

Suchet, so werdet ihr finden – den Steinkreis findet fast nur, wer ihn auch sucht – oder zufällig dort landet, so wie ich. Unscheinbar schmiegt sich der kleine Ort in die hügelige Landschaft an der Südküste Irlands. Diese Küsten gehören schon zum Wild Atlantic Way, aber viele Reisende fahren von Cork aus auf der N71 in Richtung Skibbereen und an die Westküste, ohne die Südküste zu besuchen.

Gönne dir selbst das kleine Abenteuer, ein paarmal von der N71 abzuzweigen und die kleinen Buchten direkt an der Küste abzufahren, zum Beispiel auf der R597 von Rosscarbery nach Leap. Die Küstenlandschaften sind wunderschön und du findest einige versteckte Schätze hier, wie zum Beispiel den Drombeg Stone Circle. An der R597 findest du einige kleine Hinweisschilder, die dich zum Drombeg Stone Circle führen.

Karte: Google Maps
Karte: Google Maps


Was kann man in der Region noch machen?

Wenn du die R597 weiter fährst, kommst du nach Glandore. Der kleine und sehr hübsche Hafen schmiegt sich tief in die Bucht, während die kleine Straße in vielen Kurven der Küste folgt.

Auch die Bucht von Castletownshend ist sehenswert, ebenso wie das Knockdrum Stone Fort in der Nähe oder Toe Head ein Stück weiter. Siehe:

Bei Reen Pier, in der geschützten Bucht von Castletownhend, kannst du eine Kajaktour machen, siehe: https://www.atlanticseakayaking.com/.

Die Region ist auch ein Hotspot für Whale-watching, also Bootstouren um Wale und Delfine und andere Meereslebewesen zu beobachten. Ebenfalls bei Reen Pier findest du Cork Whale Watch, siehe: https://corkwhalewatch.com/.

Wenn du der Küste weiter nach Westen folgst, kommst du nach Baltimore, einem sehr schönen Urlaubsort und ehemaligen Fischerhafen in einer schönen langen Bucht mit malerisch vorgelagerten Inseln

Küstenlandschaft am Drombeg Stone Circle
Küstenlandschaft am Drombeg Stone Circle (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Fazit

Die (westliche) Südküste Irlands bietet viele schöne verborgene kleine Buchten, hügeliges Hinterland und ländliche Ruhe. Sie gehört zwar schon zum Wild Atlantic Way, aber hier ist viel weniger Tourismus zu finden, als an der Westküste.

In die Hügel und Buchten schmiegen sich immer wieder historische Kleinode, alte Leuchttürme, ein altes Castle, das einst einem Clan Schutz geboten hat und kaum mehr als ein viereckiger Turm ist und auch historische Stätten, wie der Drombeg Stone Circle oder das Knockdrum Stone Fort.

Fahre von der Nationalstraße ab und schlängele dich die wenig bekannte Südküste entlang – es wird dir gefallen!

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Bildnachweis Titelbild: Der Drombeg Stone Circle und Umgebung, Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg (www.easycruiser.tourswww.the-view-accommodation.iewww.irland-insider.dewww.ireland-insider.com)

Uli Verfasst von:

Hallo und schön, dass du hier bist! Irland ist interessant, vielseitig und landschaftlich traumhaft! Woher ich das weiß? Ich lebe und arbeite in Irland (Zweitwohnsitz) und habe die Insel intensiv und viele Male bereist. Vielleicht kann ich dich auch neugierig machen, auf die grüne Insel im Atlantik? Viel Spaß beim Lesen! Dein Ulrich Knüppel-Gertberg