Der sagenhafte Rock of Cashel

Last updated on 5. Februar 2024

Der Rock of Cashel gilt als eine der bedeutendsten historischen Sehenswürdigkeiten in Irland. Doch warum ist das so? Darum soll es hier gehen….

Geschichte und Hintergründe

Um es gleich vorweg zu nehmen, hier geht es weniger um einen Felsen, sondern vielmehr darum, was auf dem Felsen drauf steht.

Die kleine Stadt Cashel liegt in der Provinz Munster, im County Tipperary.

Das Umland ist im wesentlichen flach. Es wird The Golden Vale genannt, also das goldene Tal, weil es besonders fruchtbar ist.

Mitten in dieser Szenerie erhebt sich eine kleiner, aber steile etwa 65 Meter hohe Bergkuppe über die flache Landschaft. Die kleine Stadt Cashel liegt zu seinen Füßen.

Von oben hat man rundum freie Aussichten über viele Kilometer. Nach Süden sieht man in der Ferne die Bergkette der Knockmealdown Mountains.

Cashel Rock
Cashel Rock (Foto: Ulrich Knüppel-Gertberg)


Nach Norden sind die Slieve Bloom Mountains zu sehen mit dem Devils Bit, einem Berg, der aussieht als hätte man ein Stück aus der Kuppe herausgebissen. Der Sage nach hat der Teufel in den Berg gebissen und das Stück etliche Kilometer weiter, wieder ausgespuckt – und das wurde der Rock of Cashel!

Dieser exponierte Ort mit freier Rundumsicht auf ein fruchtbares Tal war im Mittelalter ein strategisch besonders günstiger Ort um eine Burg zu bauen. Cashel ist übrigens abgeleitet aus dem gälischen Wort „Caiseal“, welches Burg bedeutet.

Tatsächlich wurde diese Burg ab dem 4. Jahrhundert der Sitz der Könige der großen Provinz Munster im Süden und Südwesten Irlands für viele Jahre und Generationen.

Um das Jahr 450 soll der heilige Patrick hier wohl den heidnischen König Aenghus getauft haben.

Die herrschenden Clans auf der Burg wechselten über die Jahrhunderte. Im Jahr 977 wurde hier auf der Burg Brian Boru zum König gekrönt. Er wurde später der erste und eigentlich auch einzige Hochkönig Irlands. Um 1005 erklärte er sich selbst zum Hochkönig. Aber nur weniger Jahre später, nämlich im Jahr 1014 verstarb er schon wieder – im Kampf gegen die Wikinger.

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Aber sein Geschlecht, die O´Briens herrschten fortan auf der Burg.

Im Jahr 1101 wurde sie erste Synode Irlands hier auf Cashel abgehalten. Zu diesem Anlass schenkte der damalige König Muircherteach O´Briain die Anlage dem Bischof von Limerick.

Darauf wurde Cormac Mc Cartaigh der erste Erzbischof von Cashel. Cormacs Chapel gehört mit dem Rundturm zusammen zu den ältesten heute existierenden Gebäuden auf dem Rock. Die schöne Kapelle ist im romanischen Stiel gebaut und man kann im inneren noch relativ gut erhaltene römische Fresken erkennen.

Gut erkennbar ist die leuchtend blaue Farbe and den Decken-Fresken. Das ist Lapislazuli, heute würde man ultramarine-blau sagen. Es war ein überaus seltenes und sehr kostbares Farbpigment, welches seinerzeit nur in Afghanistan abgebaut wurde und über Venedig nach Europa verschifft wurde.

Die kreuzförmige gotische Kathedrale wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Der Turm in ihrer Mitte ist besonders beeindruckend.


Zu dem Ensemble an Gebäuden gehört auch der Wohnturm des Bischofs, sowie schön restaurierte Nebengebäude, wie der Vicar`s Choral. Hier lebten und arbeiteten die hauptberuflichen Sänger der Kathedrale.

Ab 1571 hatte „der Schuft“ Miler McGrath den Titel des Erzbischofs von Cashel inne. Miler war in der Tat eine schillernde Persönlichkeit. Bevor er nach Cashel kam, war er ein katholischer Bischof in Nordost-England.

Nach einer Veränderung strebend, besuchte er Königin Elizabeth I. in England. Wie auch immer er sie überzeugte, jedenfalls macht sie ihn zum protestantischen Erzbischof auf Cashel, das zu ihrem Herrschaftsgebiet gehörte.

Für einige Jahre war Miler also sowohl katholischer Bischof, als auch protestantischer, bis der Papst in Rom genug von seinen Machenschaften hatte und ihn exkommunizierte. Miler kümmerte das wenig. Er hielt Schweine in seiner Kathedrale, predigte, was ihm gerade in den Sinn kam und trieb sein Unwesen auf dem Felsen.

Zu einer Zeit, als die meisten Menschen wegen Seuchen oder Kriegen jung starben, überlebte Miler zwei Mordanschläge und verstarb schließlich eines natürlichen Todes im Alter von fast 101 Jahren. „Der Schuft von Cashel“ hinterließ zwei Frauen und 9 Kinder. „He was a good Irishman!“

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Fazit

Ich lebe übrigens im Südosten Irlands (Zweitwohnsitz) war schon mehrmals am Rock of Cashel. Im Sommer betreiben wir an unserem Standort unsere Motorradvermietung (https://www.easycruiser.tours) und unsere Gästezimmer (https://www.the-view-accommodtion.ie). Ursprünglich kommen wir aus Deutschland.

Wenn man zum Rock of Cashel kommt, sticht zunächst die beeindruckende Lage der Burg ins Auge. Oben hat man eine sehr schöne Aussicht, aber angesichts der dachlosen Kathedrale könnte man auch schnell „fertig“ sein mit der Besichtigung. Nimm hier unbedingt an einer geführten Tour teil, bekommst du eine tiefere Verbindung zu diesem Ort. Mehr Informationen findet du hier: https://heritageireland.ie/places-to-visit/rock-of-cashel/.


Viel Spaß auf dem Rock of Cashel!


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Bildnachweis Titelbild: Foto von Mike Kenneally auf Unsplash

Uli Verfasst von:

Hallo und schön, dass du hier bist! Irland ist interessant, vielseitig und landschaftlich traumhaft! Woher ich das weiß? Ich lebe und arbeite in Irland (Zweitwohnsitz) und habe die Insel intensiv und viele Male bereist. Vielleicht kann ich dich auch neugierig machen, auf die grüne Insel im Atlantik? Viel Spaß beim Lesen! Dein Ulrich Knüppel-Gertberg