Hausboot fahren in Irland – wichtige Praxis-Tipps für Anfänger

Last updated on 21. Februar 2024

Du denkst über einen Hausboot-Urlaub in Irland nach, bist aber noch nie Hausboot gefahren?

Dann bist du hier richtig. In diesem Artikel gebe ich dir wichtige Praxis-Tipps an die Hand, die dir helfen werden, dich auf deinen Hausboot-Urlaub gedanklich vorzubereiten.

Foto: bannrivercruises.co.uk
Foto: bannrivercruises.co.uk


Einführung

Ich bin in jüngeren Jahren viel gesegelt und habe zwei Segelscheine gemacht, für Binnengewässer und für die Küste. Ich habe auch die deutschen Sportbootführerscheine Binnen und Küste (für Motorboote) und habe schon auf verschiedenen Booten Urlaub gemacht – auch auf Hausbooten natürlich.

Ich komme aus Deutschland, kenne Irland aber auch sehr gut, weil meine Familie und ich hier seit gut 10 Jahren unseren Zweitwohnsitz haben. Im Sommer betreiben wir hier, südlich von Dublin, unsere Motorradvermietung (www.easycruiser.tours) und bieten auch schöne Gästezimmer an (www.the-view-accomodation.ie).

Aber kommen wir zurück zu deinem anstehenden Hausboot-Urlaub:

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Die Bootsvermietung, das Revier das richtige Boot auswählen

Um es gleich vorwegzunehmen: Da Hausboote sehr langsam fahren, brauchst du für ein Hausboot in Irland keinen Bootsführerschein und keine Vorerfahrung. Ein guter Bootsvermieter git dir eine praktische Einweisung und dann kannst du losfahren.

Enorm wichtig, gerade für Einsteiger, ist allerdings die Wahl des Bootes und der Bootsvermietung.

Du brauchst eine gute, seriöse Bootsvermietung, die dir jederzeit weiterhelfen kann, nicht nur bei Fragen rund ums Boot, sondern auch bei Fragen zur Reiseorganisation, zur Streckenwahl und bei Problemen unterwegs.

Du möchtest ein gut gewartetes Boot in gutem Zustand, damit es unterwegs keine Überraschungen gibt und alle komfortable untergebracht sind.

Das Boot soll nicht zu groß sein, sonst bist du als Anfänger schnell überfordert. Aber es soll auch nicht zu klein sein und gut zu den Bedürfnissen deiner Familie oder Reisegruppe passen.

Außerdem brauchst du einen Vermieter, der dir eine gute Einweisung geben kann und bei Problemen unterwegs erreichbar ist.

Foto: emeraldstar.ie
Foto: emeraldstar.ie



Zu Bootsvermietungen in Irland habe ich schon einen Artikel geschrieben – einfach hier klicken.

Und zur Auswahl des besten Bootes findest du noch einen Artikel hier.

Mein Praxis-Tipp:

Sieh dir die websites der Vermieter an, triff eine Vorauswahl und notiere dir ein paar Fragen: Bestes Boot für Anfänger, bestes Revier für Anfänger, wie läuft die Einweisung ab, wie funktionieren An- und Abreise zur Bootsvermietung, was ist besser, Rundtour oder Einwegtour, usw…

Dann ruf mindestens zwei Vermieter an, schildere ihnen dein Vorhaben und lass dich beraten. Wenn dein Englisch nicht perfekt ist, macht das nichts, die Boots-Vermieter sind ausländische Touristen gewöhnt und die Iren sind ohnehin meist sehr freundlich und hilfsbereit.

Es ist immer gut, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben und ein Gefühl dafür zu bekommen wie du dort aufgehoben bist. Fühlt sich alles gut an? Dann kannst du auswählen und buchen.

Die wichtigsten Reviere in Irland und Nordirland sind der untere River Shannon mit seinen Seen, der obere River Shannon mit seinen Seen, das Shannon-Erne- Waterway System und der River Erne mit dem Upper Lough Erne und dem Lower Lough Erne.

Wenn du deine Bootsvermietung ausgewählt hast, dann hast du damit vielleicht auch schon das Revier grob ausgewählt. Aber es gibt auch Vermieter, die überall präsent sind, dann hast du immer noch die Auswahl.

Foto: barrowline.ie
Foto: barrowline.ie



Was magst du lieber, große offene Seen, oder lauschige Flüsschen und Kanäle? Möchtest du häufiger anlegen, oder nicht so häufig? Möchtest du häufiger Schleusen fahren, oder nicht, sind dir bestimmte Orte oder Sehenswürdigkeiten wichtig? Lass dich von deinem Vermieter beraten, welches Revier und welche Strecken er für Anfängerfreundlich hält.

Mein Praxis-Tipp:

In Irland kann es windig werden, sehr windig sogar. Offene Seen bieten wenig Windschutz und können auf der Leeseite, das ist die vom Wind abgewandte Seite, durchaus auch ordentliche Wellen aufbauen. Hausboote sind im Allgemeinen sehr langsam unterwegs – und so hast du lange was davon :-).

Ich glaube, dass kleinere Kanäle und kleinere Seen am Anfang etwas überschaubarer und weniger schwierig sind, selbst wenn du ab und zu mal Schleusen musst. An Schleusen gewöhnst du dich schnell und es macht sogar Spaß!

Kommen wir nun zum Fahren des Hausboots – eine Einführung:

Safety First – Hinweise zur Sicherheit

Ein paar praktische Hinweise zur Sicherheit: Auch wenn es dir übertrieben vorkommt, jede Person an Bord sollte immer eine Rettungsweste tragen. Wie leicht geht mal einer nach vorne, rutscht aus und fällt ins Wasser. Speziell bei Kindern ist eine Rettungsweste absolut Pflicht.

Beim Anlegen, Ablegen und Schleusen kann man schnell eine Hand oder einen Fuß zwischen Bordwand und Anleger bekommen – das kann zu gefährlichen Verletzungen führen – also immer darauf achten, Arme und Beine innerhalb des Bootes zu behalten.

Das Boot hat eine Schraube am Heck (hinten). Diese kann für Schwimmer sehr gefährlich werden – wenn Schwimmer im Wasser sind – Motor ausschalten!

Hausboote fahren langsam, haben aber eine große Masse, das bedeutet, dass sie langsam beschleunigen, langsam bremsen und langsam wenden. Achte also immer auf Begegnungen mit anderen Booten oder Hindernissen im Wasser um frühzeitig reagieren zu können.

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Verkehrsregeln auf dem Wasser

Auf der Straße gibt es Verkehrszeichen und Vorfahrtsregeln und auf Wasserstraßen gibt es die auch.

Im Allgemeinen gilt Rechts-vor-Links, Motorboote weichen Segelbooten aus und alle Sportboote weichen den Berufsschiffen aus.

Wenn sich zwei Motorboote frontal begegnen, weicht jeder nach rechts aus.

Im Schleusen- und Hafenbereich wird sehr langsam gefahren und ausfahrende Boote haben Vorrang vor einfahrenden Booten.

Dein Bootsvermieter wird dich in die lokalen Regeln einweisen und wird auch ein Merkblatt für dich an Bord haben. Dieses kannst du am ersten Tag einmal durchlesen und dann zum nachschlagen am Steuerstand liegen lassen.

Lichter, Seezeichen und Signale auf dem Wasser

Motorboote haben zur besseren Sichtbarkeit Lichter. Die rechte Seite ist grün, die linke Seite ist rot und am Heck gibt es eine weiße Lampe. Damit sehen dich andere Boote auch bei schlechtem Licht oder in der Dämmerung und wissen gleich, welche Seite sie sehen und wohin du fährst.

Du siehst andere Boote natürlich genauso gut.


Weiter gibt es Seezeichen, meist Schilder oder Tafeln, sowie Lichter und Ampeln, zum Beispiel an den Schleusen.

Diese regeln den Verkehr auf dem Wasser. Dein Vermieter wird dich einweisen und ein Merkblatt für dich an Bord haben mit dem du dich gründlich vertraut machen solltest.

Foto: barrowline.ie
Foto: barrowline.ie


Karten, Kompass und Hafenhandbuch

Die Orientierung auf dem Wasser ist meist sehr einfach. Du wirst eine Wasserkarte und ein Hafenhandbuch dabei haben in denen alle wichtigen Anleger, Häfen, Tankstellen, Schleusen und so weiter verzeichnet sind.

Außerdem sind Wassertiefen angegeben. Den Tiefgang deines Bootes kann dir dein Vermieter mitteilen und er wird auch auf dem Boot angegeben sein. Untiefen, also Flachstellen musst du meiden, sie sind aber meist auch durch Seezeichen markiert.

Nicht markiert sind flache Uferstellen, wie zum Beispiel Schilf. Auch hier solltest du eine respektvollen Abstand halten um einerseits nicht auf Grund aufzulaufen, und andererseits nicht die Fauna und Flora zu schädigen oder zu stören.

Leinen, Knoten und Fender

Dein Boot benötigt mehrere Leinen zum Festmachen. Meist sind dies ein bis zwei Leinen am Bug (vorne) und ein bis zwei Leinen am Heck (hinten). Manchmal machen auch Boote längs an anderen Booten fest, zum Beispiel im Wartebereich von Schleusen oder in manchen Häfen. Auch dafür benötigst du Leinen.

Außerdem haben die Fender Leinen, mit denen sie am Boot festgemacht werden.

In Schleusen benötigst du Leinen um das Boot bei ein- oder ausfließendem Wasser und sinkendem oder steigendem Wasserstand auf der gleichen Stelle zu halten. Dabei wird die Leine am Boot befestigt, durch einen Ring oder Poller an Land geführt und dann von einer Person auf dem Boot gehalten und bei Bedarf verkürzt oder verlängert.

Auch das Beiboot wir mit einer Leine am Hausboot befestigt.

Du siehst, du wirst viel mit Leinen zu tun haben und deine Mitfahrer ebenfalls. Dafür solltest du einige Seemanns-Knoten können, die schnell zu knüpfen sind, gut halten und wieder schnell zu lösen sind. Hierzu findest du hilfreiches ein Video auf Youtube, womit du einigen hilfreichen Knoten schon zuhause lernen kannst, damit du sie auf dem Boot jederzeit ohne viel Nachdenken nutzen kannst.

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Praxis-Tipp:

Ich nutze den Webeleinen-Stek, Den Palstek, die Halben Schläge und den Kreuzknoten praktisch ständig, nicht nur auf dem Wasser, sondern auch im täglichen Leben. Dazu solltest du noch eine Klampe oder einen Poller belegen können und dann kommst du schon sehr gut zurecht.

Steuerstand, Bedienelemente und Anzeigen

Wenn du Autofahrer bist, dann wirst du dich an den Steuerstad auf dem Boot auch schnell gewöhnen.

Du hast in der Regel ein Schloss für den Zündschüssel, ein Steuerrad, mit dem du das Ruder am Heck bedienst und einen Gashebel, den du von Hand nach vorne drückst für Vorwärts-Fahrt und nach hinten für Rückwärts-Fahrt.

Leicht nach vorne drücken für langsame Fahrt und maximal nach vorne drücken für schnellere Fahrt. Eine Bremse gibt es nicht, einfach den Gashebel zurücknehmen, dann wird das Boot langsamer und wenn das noch nicht reicht, kannst du kurz Rückwärts-Schub geben bis zum Stillstand des Bootes.

Außerdem gibt es zwei Knöpfe (links und rechts) Knöpfe zur Bedienung des Bugstrahlruders, das hilft dir beim Anlegen und Ablegen den Bug seitlich zu versetzen. Manche Boote haben auch ein Heckstrahlruder, mit dem du das Heck seitlich versetzen kannst.

Dann gibt es noch Anzeigen für die Geschwindigkeit, ggf. die Wassertiefe, den Dieseltank, den Frischwassertank und den Abwassertank.

Alles gar nicht kompliziert und dein Bootsvermieter wird dich gründlich einweisen.

Foto: bannrivercruises.co.uk
Foto: bannrivercruises.co.uk



Steuern vorwärts, Steuern rückwärts, und wenden

Das Ruderblatt ist hinten am Heck. Wenn du das Steuerrad nach links drehst, schwenkt das Ruderblatt nach links und das Boot fährt nach links. Allerdings schwenkt dazu erst das Heck nach rechts aus! Du lenkst also nicht vorne, wie beim Auto, sondern hinten – wenn das Heck mehr nach rechts ausschwenkt, fährt das Boot nach links.

Außerdem passiert das etwas verzögert, denn das Boot ist schwer und ändert seine Richtung eher langsam. Damit das Ruderblatt wirken kann, muss Wasser an ihm vorbeistreichen – je schneller, desto besser. Du brauchst also immer etwas Fahrt um zu steuern – also erst Fahrt aufnehmen, dann am Steuerrad drehen.

Wenn du die Richtung stark ändern willst, zum Beispiel beim Wenden, dann brauchst du also etwas Fahrt und genügend Platz um die Wendung komplett zu machen. Am besten machst du das ein paar Mal auf offenem Wasser, dann bekommst du ein Gefühl für deinen Wendekreis. Du kannst in engeren Kanälen aber auch vorwärts-rückwärts-vorwärts rangieren und wenden, ähnlich wie beim Auto.

Praxis-Tipp:

Beim Rückwärtsfahren wirst du merken, dass das Heck selten geradeaus läuft, sondern immer etwas zu einer Seite abweicht. Das ist normal und liegt an dem seitlichen Versatz durch die Drehrichtung der Antriebsschraube. Beim Rangieren kannst du diese Abweichung leicht mit dem Bugstrahlruder oder Heckstrahlruder korrigieren um gerade rückwärts zu fahren.

Fahren in Wind, Wellen und Strömung

Hausboote fahren in der Regel sehr gutmütig, etwas Welle macht ihnen nicht viel aus. Bei starken Wellen von der Seite oder von schräg vorne oder hinten, wird das Boot nicht mehr gut geradeaus laufen, sondern immer etwas nach rechts und links „eiern“. Das ist normal. Am einfachsten fährt es sich gegen die Welle oder mit der Welle.

Das Hausboot ist recht langsam und lässt sich daher von starkem Wind oder Wellen durchaus beeinflussen. Auf offenem See gegen Wind und Welle wird es deutlich langsamer fahren. Bei starkem Wind oder starker Welle wird es auch unruhig auf dem Boot, am besten meidest du offene Wasserflächen bei solchen Bedingungen.

Auf der Luv-Seite (Windseite) des Sees sind die Wellen in der Regel kleiner als auf der Lee-Seite (da wo der Wind hin weht). In Kanälen ist es meist ruhiger als auf Seen.


Tanken

Tanken funktioniert ähnlich wie beim Auto, einfach an die Boots-Tankstelle fahren, Motor ausmachen und Diesel tanken. Die Lagen der Bootstankstellen sind in deinen Unterlagen sicher verzeichnet.

Foto: emeraldstar.ie
Foto: emeraldstar.ie

Beiboot

Bei einigen Vermietungen kannst du ein Ruderboot dazu mieten, welches du als Beiboot hinter dem Hausboot hinterher ziehen kannst. Das macht Sinn, wenn du nach dem Anlegen ein bisschen Rudern möchtest (oder die Kinder), oder wenn du Angeln willst, ansonsten kann das Anhängsel auch störend sein, beim Anlegen, Ablegen oder Rangieren.

Wetter auf dem Wasser

Behalte den Wetterbericht im Auge. Regen ist kein Problem, aber Nebel, Wind und Gewitter können auf dem Wasser unangenehm werden, vor allem auf größeren Seen. Wenn es Sturmwarnungen gibt, bleibst du sicher im Hafen. Nimm das Wetter ernst auf dem Wasser!

Dazu gehört auch, dass du etwas flexibel bleibst mit deiner Route um auf Unwägbarkeiten reagieren zu können. Plane vor allem die Rückreise so ein, dass du sie locker bewältigen kannst. Wenn alles gut läuft kannst du am Ende immer noch eine Schleife mehr drehen.

Ablegen und Anlegen

Beim Anlegen denke daran, auf der Seite auf der du anlegen willst die Fender an die Bordwand zu hängen, und zwar auf der richtigen Höhe, damit du das Boot nicht beschädigst (siehe Leinen und Knoten).

Dann fährst du langsam parallel an den Anleger, stoppst das Boot und versetzt es mit Bugstrahlruder und Heckstrahlruder das letzte Stückchen seitwärts, bis du an der Kaimauer oder am Steg ankommst.

Vorne und hinten Leinen anbringen. Es kann Sinn machen auch diagonale Leinen anzubringen, also von vorne nach hinten und von hinten nach vorne, damit das Boot wirklich still liegt. Meist fährt eine Person das Boot und ein oder zwei weitere Personen bringen die Leinen an.

Beim Ablegen werden alle Leinen gelöst und dann kannst du mit Bugstrahlruder und Heckstrahlruder das Boot von der Anlegestelle wegschieben und dann auf Vorwärtsfahrt gehen. Danach die Fender einholen, nicht draußen hängen lassen.

Leinen werden sauber aufgerollt und fender werden sauber verstaut, damit zum nächsten Anlegen oder Schleusen alles wieder sofort greifbar ist.

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Begegnen, Ausweichen, Brücken und Engpässe

Achtung an Engstellen – ist die Brücke breit genug, ist sie hoch genug, gibt es Gegenverkehr, wie ist die Vorfahrt geregelt? Wenn du nicht sicher bist, fahre nicht in die Engstelle hinein. Warte davor und kläre die Verhältnisse, denn wenn es erst eng wird, kann es unangenehm werden. Siehe Verkehrsregeln, Lichter und Zeichen.

Schleusen fahren

Eine Schleuse ist im Prinzip auch eine Engstelle. Es gibt meist eine Schleusenkammer für beide Fahrtrichtungen, manchmal auch zwei. An größeren Schleusen regeln Ampeln die Ein- und Ausfahrt. An kleineren Schleusen erfolgt das meist durch Handzeichen und Zurufen.

Warte vor der Schleuse, bis du einfahren kannst. Der Ausfahrende Verkehr hat Vorfahrt. Dann fahre langsam ein und achte darauf, ob ein Schleusenwärter dir einen Platz zuweist.

Manchmal werden Pakete in Schleusen gebildet: Die größeren Boote legen an der Schleusenwand an und kleinere Boote können dann an den größeren Booten anlegen. Bringe beidseitig fender aus und Halte eine Leine am Bug (vorne) und eine Leine am Heck (hinten) bereit.

Die werden am besten von zwei Personen geführt: Leine einerseits am Boot festmachen, das lose Ende durch einen Ring oder um einen Poller an der Schleusenwand führen und dann am Boot in der Hand halten – aber nicht festmachen!

Der Wasserstand hebt oder senkt sich und die Leinen müssen dann entsprechend angepasst werden, also von Hand verlängert oder verkürzt werden. Nach Öffnen der Tore langsam und vorsichtig ausfahren, dabei auf Anweisungen achten. Leinen aufrollen und Fender einholen und weiter geht die Fahrt.

Foto: bannrivercruises.co.uk
Foto: bannrivercruises.co.uk


Baden vom Boot

Die Sonne lacht, es ist schön warm und der See ist einfach zu einladend. Warum nicht vom Boot aus baden gehen?

Aber Achtung: Unbedingt eine Stelle finden, wo kein verkehr herrscht, Motor ausstellen und prüfen, ob das Boot ruhig liegt, oder abtreibt. Es darf keiner ins Wasser, solange die Schraube noch dreht – das ist enorm gefährlich!

Wenn das Boot ruhig liegt, kann die Badeleiter ausgeklappt werden und alle (bis auf den Bootsführer) dürfen schwimmen gehen. Achtung:

Praxistipp: Die Badeleiter ausklappen wird gerne vergessen, ist aber extrem wichtig, denn auf viele Boote kommt man ohne Leiter gar nicht wieder hinauf! Einer sollte im an Bord bleiben um reagieren zu können, falls etwas unerwartetes passiert.

Ankern

Ankern ist in manchen Gewässern erlaubt, in anderen nicht, oder stellenweise nicht erlaubt. Dein Bootsvermieter wird dich über die geltenden Bestimmungen aufklären.

Ankern ist immer erlaubt im Notfall – wenn unterwegs auf dem See der Motor ausfällt (was nicht passieren sollte), dann kannst du natürlich Ankern, dann in Ruhe deinen Bootsvermieter anrufen und auf Hilfe warten.

Dazu muss das Boot vollständig zum Stillstand kommen, dann den Bug-Anker herablassen und etwa fünfmal soviel Leine oder Kette abspulen, wie die Wassertiefe beträgt.

Idealerweise wird der Anker durch eine Boje gekennzeichnet und du schaltest das Ankerlicht an um anderen Booten zu signalisieren, dass du nicht in Fahrt bist. Beim Aufholen ziehst du das Boot über den Anker, holst diesen komplett auf und fährst dann erst los.

Falls der Anker mal nicht loskommt, kannst du ihn soweit einholen, bis die Kette stramm ist und dann langsam ein kurzes Stück vorwärts fahren. Damit brichst du den Anker aus dem Boden. Dann anhalten, Anker einholen und dann losfahren.

Foto: carrickcraft.com
Foto: carrickcraft.com


„Mann über Bord“ bzw. Person über Bord Manöver

Es passiert so schnell – du willst nur kurz nach vorne, verlierst das Gleichgewicht und landest im Wasser. Du hast natürlich keine Schwimmweste an, bist mitten auf dem See und das Boot fährt ohne dich weiter. Deine Mitfahrer wissen nicht, was sie jetzt machen sollen…

Damit das nicht passiert, beim Laufen auf dem Boot immer mit einer Hand an der Reling (Geländer) halten. Die Schwimmweste wird immer getragen, vor allem auf offenen Gewässern.

Mindestens eine zweite Person lernt das Boot zu fahren: Motor anhalten und ausmachen, dann kann der Schwimmer zum Boot schwimmen. Oder wenden, langsam auf 2-3 Meter an den Schwimmenden annähern, Motor abschalten und Badeleiter absenken.



Eine Person an Deck kann eine Leine bereithalten, die dem Schwimmer zugeworfen wird. Oft gibt es auch einen Rettungsring mit Leine für den Zweck. Dann die Person zur Badeleiter ziehen und beim Aufsteigen helfen.

Praxis-Tipps: Am besten übt ihr das Mann Über Bord Manöver einige Male auf einem See, wo ihr genügend Platz in alle Richtungen habt. Werft einen Fender über Bord und „rettet“ ihn wieder.

Eigen-Werbung für Easycruiser.tours
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Fazit

Ich hoffe, ich konnte dir einen ersten Eindruck darüber geben, was beim Hausboot fahren auf dich zukommt. Auf den ersten Blick mag das kompliziert erscheinen, aber keine Sorge, nach einer ersten Einweisung und ersten praktischen Fahrübungen wird das alles viel klarer.

Es ist alles nicht wirklich kompliziert und wenn du Auto fahren kannst, dann kannst du auch Hausboot fahren lernen – schneller als du denkst.

Also lass dich nicht abschrecken, die meisten Kunden von Hausboot-Vermietungen sind vorher noch nie gefahren und kommen nach kurzer Zeit schon sehr gut zurecht.

Ich habe noch ein kleines Youtube-Video zum Hausboot fahren lernen für dich gefunden – einfach hier klicken.



Und nun wünsche ich dir ganz viel Spaß bei deinem ersten Hausboot-Urlaub in Irland!


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Bildnachweis Titelbild: Chris Robert auf Unsplash

Uli Verfasst von:

Hallo und schön, dass du hier bist! Irland ist interessant, vielseitig und landschaftlich traumhaft! Woher ich das weiß? Ich lebe und arbeite in Irland (Zweitwohnsitz) und habe die Insel intensiv und viele Male bereist. Vielleicht kann ich dich auch neugierig machen, auf die grüne Insel im Atlantik? Viel Spaß beim Lesen! Dein Ulrich Knüppel-Gertberg