Welches Kajak ist besser für die Irlandreise: Luftboot, Faltboot oder Hartschalen-Kajak?

Last updated on 8. Februar 2024

Du hast schon ein Kajak und fragst dich, ob es für die geplante Irlandreise geeignet ist?

Oder du planst ein Reisefähiges Kajak zu kaufen und fragst dich, ob es für die Irlandreise und andere Reisen gut funktioniert?

Welche Bedingungen sind in Irland zu erwarten und was muss ein gutes Reisekajak eigentlich können?

Mit dem nachfolgenden Artikel möchte ich deine Fragen beantworten und dir eine gute Hilfestellung für deine Entscheidung geben:

Auf welchen Gewässern bist du unterwegs?

Wenn du gemütlich auf einem ruhigen See oder langsam fließenden Fluss paddelst, braucht dein Kajak nicht übermässig schnell zu sein. Es kann offen sein, oder auch geschlossen. Ein guter Komfort und genügend Platz für Gepäck sind sinnvoll. Ein gemütlicher Tourer mit guter Stabilität kann das abdecken. Diese Boote sind meist relativ lang bei mäßiger Breite und immer noch guter Wendigkeit.

Möchtest du eher in leichtem Wildwasser, Strömung oder Meeresbrandung paddeln, hast du vielleicht auch mal Grundberührung mit gröberen Steinen, dann bist du mit einem etwas kürzeren, wendigen Boot gut beraten. Es sollte robust verarbeitet sein, vor allem Bug und Boden und sehr kippstabil, also etwas breiter im Rumpf. Außerdem sollte es ein geschlossenes Boot sein, damit du und dein Gepäck nicht bei jeder Welle nass werden. Ein offenes Boot geht auch, wenn du im Neoprenanzug oder Trockenanzug paddeln möchtest.

Willst du auch bei stärkerem Wind vor der Küste oder auf einem großen See lange Strecken zurücklegen, sollte dein Boot eher im Wasser als auf dem Wasser liegen, es sollte eher schmal und lang sein und auf jeden Fall ein geschlossenes Boot mit einem geschützten Innenraum sein. Wahrscheinlich ist es dann weniger kippstabil.

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Wenn du in einer langgegangenem Bucht bei gutem und ruhigem Wetter mit wenig Wind und wenig (auflandiger) Strömung ein bisschen paddeln möchtest, kannst du praktisch jedes Kajak verwenden.

Aber Achtung: Irlands Küsten sind mit der Ostsee nicht zu vergleichen: Es gibt starke Winde, starke Strömungen und starke Gezeiten. Ambitionierte Küstenpaddler sollten aus meiner Sicht ein gut ausgerüstetes Seekajak wählen und die Küsten zusammen mit einem lokalen Guide erkunden.

Für den Zweck dieses Artikels, möchte ich das Küstenpaddeln ausklammern und mich auf die Binnengewässer in Irland beschränken.

Welche Paddelbedingungen kannst du in Irland erwarten?

Ich habe in diesem Blog mehrere Artikel zu den Paddelrevieren in Irland geschrieben. Du kannst im Grunde die Kanäle und kleineren Flüsse, den Shannon mit seinen Seen und den Erne mit seinen Seen, sowie die Seen und Kanäle Nordirlands erkunden. Alleine der Shannon ist auf 220km schiffbar und auf den anderen Wasserwegen kommen noch ein paar hundert Kilometer dazu!

Dort sprechen wir vor allem von ruhigem bis leicht bewegtem Wasser, geschützten und offenen Wasserflächen, mit häufigem Wind und gelegentlichem Regen.

Dein Boot sollte also wenig windempfindlich sein und einen guten Geradeauslauf mit guter Geschwindigkeit haben. Ein geschlossenes Kajak mit Spritzdecke ist von Vorteil, aber kein Muss. Finnen und Ruder helfen zusätzlich den Geradeauslauf zu verbessern.

Wir leben übrigens in Irland (Zweitwohnsitz) und betreiben hier in den Sommermonaten unsere Motorradvermietung (www.easycruiser.tours). Außerdem haben wir schöne Gästezimmer (www.the-view-accommodation.ie). Wir haben die Insel über viele Jahre immer wieder bereist und kennen sie daher sehr gut.

Wieviel Gepäck willst du beim Paddeln mitführen?

Du kannst natürlich eine Rundreise mit dem Auto machen und immer wenn du auf einen schönen See oder Fluß stösst, ein Stündchen oder zwei paddeln gehen – dann brauchst du nicht viel Stauraum für Gepäck.

Wenn du eine Mehrtages-Tour ohne Zelt machst und in B&Bs oder Hostels übernachtest, brauchst du schon etwas mehr Platz im Boot.

Und wenn du mit Zelt, Campingzubehör und Lebensmitteln für mehrere Tage unterwegs bist, dann musst du schon eine ganze Menge Gepäck in dein Kajak laden.

Mit mehr Gepäck benötigst du ein Kajak mit mehr Raum und mehr Zuladung. Die maximal zulässige Zuladung ist bei den Hersteller-Angaben angegeben.

Wenn du z.B. 80kg wiegst und dein Gepäck nochmal 30kg, dann benötigst du ein Boot mit einer maximalen Zuladung von mindestens 110kg, besser 120-140kg.

Mehr ist aber nicht immer besser: Wenn du nur 60kg wiegst und keine Gepäck mitführst, liegt ein 120-140kg-Boot mit dir nicht sehr tief im Wasser und kann daher recht windanfällig sein.

Dein Kajak sollte in Raum und Zuladung also zu dir und deiner Ladung möglichst gut passen.

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Paddelst du alleine, zu zweit, oder beides?

Es gibt offene Luft-Kajaks, die man alleine oder zu zweit paddeln kann. Dazu musst du nur einen Sitz mittig, oder zwei Sitze, vorne und hinten, einbauen.

Bist du groß und schwer mit viel Zuladung, kann dies das perfekte Boot für deine Tour alleine sein! Und zwei leichtere Personen mit wenig Zuladung können damit genauso zufrieden sein.

Diese 2-er Boote sind zumeist recht lang, was erstmal gut für den Geradeauslauf ist.

Wie viel Paddelerfahrung hast du schon?

„Länge läuft und Breite bremst“. Diese allgemeine Bootsweisheit beschreibt schon, worauf du bei den Rumpfabmessungen achten solltest. Meist sind lange und schmale Boote deutlich schneller als kurze und breite Boote. Je leichter du auf Tempo kommst, umso weniger empfindlich stören dich Wind oder Strömungen.

Aber die Medaille hat wieder zwei Seiten: Wenn ein Boot mittig etwas breiter ist, hat es eine höhere Anfangsstabilität, ist also weniger kippelig, was vor allem weniger geübten Paddlern entgegenkommt. Denn du willst ja oben sitzen und trocken paddeln und nicht ständig unfreiwillig baden gehen.

Ein breiteres Boot hat meist auch mehr Stauraum für Gepäck.

Womit reist du an – Flugzeug oder Auto und Fähre?

Wenn du ein Hartschalen-Kajak fährst, kommt eigentlich nur die Anreise mit dem eigenen Auto infrage. Das Kajak wirst du in den meisten Fällen auf dem Dachträger transportieren müssen.
Der Vorteil davon: Du kannst den Innenraum für dein sonstiges Gepäck oder Mitfahrer nutzen. Der Nachteil: Das Kajak auf dem Dach verursacht viel Luftwiderstand und bei langen Autobahnanfahrten wirst du deutlich mehr Treibstoff benötigen als ohne.

Ein Luftboot, Hybrid oder Faltkajak, kannst du problemlos im Kofferraum transportieren. Je nach Gewicht und Packmaß, kommen aber auch die Bahn, der Überlandbus oder das Flugzeug infrage. Beim Flugzeug kannst du Sportgepäck anmelden, was je nach Fluggesellschaft sogar relativ günstig ist.

Vor- und Nachteile von Luft-Kajaks

Günstige „Badeboote“ sind wenig robust, wenig formstabil und wenig tourentauglich. Wer bereit ist mehr Geld in die Hand zu nehmen, kann dafür ein top verarbeitetes, robustes, formstabiles und relativ schnelles Kajak bekommen, was tourentauglich und dennoch leicht zu transportieren ist.

Vorteile von Luft-Kajaks sind die allgemein gute Stabilität, der leichte und schnelle Aufbau und die Vielseitigkeit. Es gibt sie als Einer, Zweier oder Dreier, mit und ohne Spritzschutz, und flexibel umbaubar. Sie vertragen gelegentliche Grundberührung und sind im Falle eines Lochs auch leicht zu reparieren. Es gibt sehr steife Modelle mit Dropstich-Böden, die mit hohen Luftdrücken gefahren werden. Diese Modelle sind dann auch recht schnell. Wenn du ein Modell mit gutem Sitz findest, sind sie auf auf längeren Strecken bequem.

Nachteile: Du sitzt mehr auf dem Wasser als im Wasser und die Luftschläuche sorgen für einen relativ hohen Aufbau. Damit sind Luftkajaks immer etwas windempfindlicher als Faltkajaks oder Festrumpfboote. Der relativ flache Boden benötigt Ansteck-Finnen für einen guten Geradeauslauf. Die Luftschläuche brauchen Platz, damit ist entweder der Innenraum begrenzt, oder die Boote sind etwas breiter als feste Rümpfe.

Vor-und Nachteile von Falt-Kajaks

Faltkajaks gibt es schon seit Ewigkeiten – sie sind und waren der Inbegriff des Reiseboots. Aus gutem Grund, denn sie haben viele gute Eigenschaften.

Vorteile von Falt-Kajaks: Das Innen-Gerüst des Faltkajaks erlaubt es Formen mit ausgeprägter Bug- und Heckpartie zu bauen. Durch Spanneinrichtungen werden diese Boote sehr formstabil und erinnern in ihren Fahreigenschaften sehr an Festrumpfboote. Durch den tieferen Sitz ist der Schwerpunkt tiefer. Falt-Kajaks können daher schmaler gebaut werden als Luftboote und sind damit meist schnell und wenig windempfindlich. Wegen der dünnen Außenhaut bieten sie viel Laderaum. Da das Innengerüst meist aus Stahl und Aluminium gefertigt ist, leiden diese allerdings sehr unter Salzwasser. Aber wir sprechen hier ja von Binnengewässern und da gibt es kein Problem.

Nachteile von Falt-Kajaks: Der Aufbau ist meist schwieriger und langwieriger als beim Luftkajak. Wenn eine Strebe bricht, kann eine Reparaturlösung über den Urlaub retten, aber meist hilft meist nur ein passendes Ersatzteil. Der festere Rumpf gibt bei Grundberührung wenig nach und kann dadurch leichter beschädigt werden.

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Vor- und Nachteile von Foldable oder Origami-Kajaks

Es gibt inzwischen tolle „Foldable“ Falt-Kajaks, die nicht aufs Gerüst und Außenhaut bestehen, sondern aus mehrschichtigen Kunststoffplatten mit Wabenkern. Diese werden wie ein Origami zusammengefaltet und sind sehr schnell aufgebaut.

Vorteile: Da die Wandung relativ steif ist, bieten sie ähnliche Fahreigenschaften wie ein „Skin-on-Frame“ Faltkajak, sind also relativ schnell. Der Aufbau ist meist schnell und einfach und diese Boote sind meist sehr leicht,

Nachteile: Sie sind nicht ganz so steif wie ein Faltkajak mit Rahmen und Außenhaut. Robustheit und Dauerfestigkeit sind auch etwas geringer.

Vor- und Nachteile von Hybrid-Kajaks

Mit Hybrid-Kajaks sind Luftboote gemeint, die durch ein Gestänge im Bodenbereich versteift und geformt werden.

Vorteile von Hybrid-Kajaks: Durch den Innenrahmen kann man steifere Luftboote mit ausgeprägteren Bug und Heck bauen, die schneller laufen. Der Aufbau ist kaum aufwendiger als bei einem Luftboot und die Fahreigenschaften sind oft ein Stück besser als beim reinen Luftboot.

Nachteile: Der Aufbau dauert etwas länger, das Boot wird etwas empfindlicher gegen Grundberührung und die Geschwindigkeiten sind etwas höher als beim Luftboot, aber deutlich langsamer als beim Faltboot.

Vor- und Nachteile von Hartschalen-Kajaks

Haftschalen-Kajaks haben nach wie vor ihre Berechtigung.

Vorteile: Die Fahreigenschaften eines durchschnittlichen PE-Kajaks sind meist deutlich besser als die aller Luftboote, und meist immer noch besser als ein Faltboot. Diese Boote bieten für jeden Einsatzzweck optimierte Rumpfformen. Tourenboote sind ein guter guter Kompromiss aus Stabilität und Geschwindigkeit, haben oft wasserdichte Gepäckfächer vorne und hinten und vertragen auch Grundberührungen problemlos. Sie sind robust, einfach und es gibt keinen Aufbau. Außerdem kostet so ein Boot eher weniger als ein hochwertiges Luft- oder Faltboot.

Nachteile: Du brauchst für den Transport ein Auto mit Dachträger und kannst keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Die im Profil rundere Bauform führt allgemein zu einer geringeren Anfangsstabilität. Tourenkajaks wirken etwas kippeliger.

Vor- und Nachteile von zerlegbaren Hartschalen-Kajaks

Es gibt auch Festrumpf-Kajaks in zerlegbarer Ausführung, damit man sie im Auto transportieren kann.

Vorteile: Die Fahreigenschaften auf Binnengewässern sind vergleichbar mit einem Festrumpfboot und deutlich besser als bei Luft- oder Hybridbooten.

Nachteile: Höherer Preis, höheres Gewicht, geringere Stabilität, weil die Verbindungen der Rumpfstücke beschädigt werden können. Es passt auch nur ein zerlegtes Kajak in einen durchschnittlichen Kombi, dann ist der voll. Öffentliche Verkehrsmittel gehen damit nicht.

Vergleich der Kajak-Bauweisen und Eigenschaften

Das ideale Boot gibt es nicht, wohl aber das bestmögliche Boot für deinen Einsatzzweck. Alle genannten Boote sind für deine Irlandreise und viele andere Reisen geeignet.

Um dir die Entscheidung ein bisschen zu erleichtern, stelle ich die Eigenschaften der verschiedenen Bauformen nochmal gegenüber.

Ein Pluszeichen bedeutet „trifft etwas weniger zu“ und vier Pluszeichen bedeuten „trifft besonders stark zu“. Es kann sein, dass die Tabelle bei dir nicht in voller Breite angezeigt wird – dann bitte nach rechts swipen oder scrollen.

TransportabelSchnellKippstabilRobustZuladungBeispiele
Luft-Kajak+++++++++++++++Gumotex Framura oder Grabner Escape
Hybrid-Kajak++++++++++++++Nortik Scubi 1 oder 1XL
Falt-Kajak (Rahmen und Aussenhaut)++++++++++++++Pakayak Bluefin oder Pakboats Quest
Foldable oder Origami-Faltkajak++++++++++++++Nortik Fold oder FoldYakOne
Festrumpf-Kajak zerlegbar+++++++++++++++Kayak Innovations Natseq oder Pakayak Bluefin
Festrumpfboote-Kajak+++++++++++++++Prijon Enduro oder Point65 XO13
Kajak-Bauformen im Vergleich

Fazit

In Irland und vielen anderen, z.B. skandinavischen Revieren, wirst du es mit ruhigem bis leicht bewegtem Wasser zu tun haben.

Ein Spritzverdeck ist vorteilhaft, aber nicht zwingend notwendig. Du möchtest ein Kajak mit gutem Geradeauslauf, welches du gut über längere Strecken paddeln kannst. Es soll aber auch nicht zu kippelig sein und Platz für Gepäck bieten.

Die Geschwindigkeit ist auf einem offenen See mit Wind wichtiger, als auf einem kleineren eher geschützten Fluss oder Kanal. Aber eine gute Reisegeschwindigkeit darf es schon sein.

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Bei der Anreise nimmst du immer das Auto, oder auch mal den Zug, den Bus oder das Flugzeug? Das kannst du dir überlegen.

Wenn du dir jetzt Gedanken machst, welche der genannten Eigenschaften für dich am wichtigsten sind, bist du bei der Wahl deines Reise-Kajaks schon einen großen Schritt weiter.

Wie auch immer du dich entscheidest- habe viel spaß beim Paddeln und einen ganz tollen Urlaub in Irland!

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Bildnachweis Titelbild: Foto von Filip Mroz auf Unsplash

Uli Verfasst von:

Hallo und schön, dass du hier bist! Irland ist interessant, vielseitig und landschaftlich traumhaft! Woher ich das weiß? Ich lebe und arbeite in Irland (Zweitwohnsitz) und habe die Insel intensiv und viele Male bereist. Vielleicht kann ich dich auch neugierig machen, auf die grüne Insel im Atlantik? Viel Spaß beim Lesen! Dein Ulrich Knüppel-Gertberg